nach oben

Zahlreiche Herausforderungen und ganz viele Chancen

Kirchenkreis stößt frühzeitig einen Umstrukturierungsprozess an

24.09.2018 ǀ Bad Segeberg 

„Prozess Kirchenkreis 2030“ lautete das Schwerpunktthema mit dem sich die Mitglieder der 2. Synode des Evangelischen-Lutherischen Kirchenkreises Plön-Segeberg bei ihrer dritten Tagung beschäftigten. Aufgrund einer bevorstehenden Pensionierungswelle und eines prognostizierten Nachwuchsmangels im Pfarrberuf wird es nach Berechnungen der Nordkirche bis zum Jahr 2030 ein Drittel weniger Pastorinnen und Pastoren in der Landeskirche geben. Die beiden Pröpste, Dr. Daniel Havemann (Propstei Segeberg) und Erich Faehling (Propstei Plön), stimmten die Synodalen auf künftige Herausforderungen, vor allem aber auch auf die daraus resultierenden Chancen des bereits jetzt im Kirchenkreis angestoßenen Umstrukturierungsprozesses ein.



Aus genanntem Anlass gibt die Nordkirche den Kirchenkreisen eine Obergrenze für die Anzahl der einzustellenden Pastorinnen und Pastoren vor. Dabei soll eine möglichst große personelle Verteilungsgerechtigkeit erreicht werden. „Für unseren Kirchenkreis bedeutet das nach aktuellen Berechnungen konkret, dass wir bis 2030 statt derzeit 67 Pfarrstellen etwa 44 haben werden“, erläuterte Propst Erich Faehling. Der Kirchenkreis wolle deshalb mit den Kirchengemeinden frühzeitig in einen gemeinsamen Prozess starten. „Wichtig ist uns, dass dies zu einem Zeitpunkt geschieht, zu dem wir viele aktive Handlungsoptionen haben“, so Faehling. Ziel sei es, die Qualität der Arbeit trotz quantitativen Rückgangs zu erhalten. „Und wir wollen unbedingt als Kirche dicht bei den Menschen bleiben.“

Zu diesem Zweck plant der Kirchenkreis sein Gebiet in sogenannte Kirchspiele einzuteilen. „Darunter verstehen wir konkrete regionale Handlungsräume, in denen mehrere Kirchengemeinden inhaltlich und organisatorisch zusammenarbeiten“, erklärte Propst Dr. Daniel Havemann. Der Synode wurden erste Vorschläge für elf Kirchspieleinheiten vorgelegt. „Diese dienen derzeit aber lediglich als erste Diskussionsgrundlage“, sagte Havemann. Die finale Zusammensetzung werde von den Kirchengemeinden in den kommenden Wochen und Monaten diskutiert. „Als Ergebnis dieser Debatten“, so Havemann, „können dem Kirchenkreis auch andere Vorschläge vorgelegt werden.“

Generell sei am Prozess „Kirchenkreis 2030“ die großen Mitgestaltungsmöglichkeiten für die Kirchengemeinden gewünscht und in ihrer Freiheit bemerkenswert, betonten beide Pröpste. „Wichtige Entscheidungen sollen nicht von oben nach unten weitergeben, sondern gemeinsam angegangen werden“, sagte Havemann. Die Kirchengemeinde sind aufgerufen im Rahmen ihrer jeweiligen Kirchspiele die veränderten Bedingungen kreativ und eigenverantwortlich mit Leben zu füllen. „Hierbei sollen gezielt auch Menschen und Organisationen in den Blick genommen werden, die sich den kommunalen Raum mit der Kirche teilen“, führte Havemann aus. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, Kirche neu zu denken.“ Auch Propst Faehling wies explizit noch einmal auf die große Chance hin „im Zuge unserer Überlegungen, Kirche und kirchliche Arbeit in ihrer Ausrichtung und ihrem Wirken in Kooperation mit außerkirchlichen Partnern neu zu gestalten“.

Der Prozess war durch eine Konzeptgruppe monatelange vorbereitet worden. Die Pläne des Kirchenkreises werden jetzt in den Kirchengemeinden ausgiebig diskutiert. In ihrer Novembersitzung wird die Synode dann beschließen, ob der Prozess wie geplant startet.
In den Monaten danach sollen die künftigen Kirchspiele konkret festgelegt werden. Insgesamt soll der Prozess „Kirchenkreis 2030“ im Jahr 2024 abgeschlossen sein.

Wichtige Wahlentscheidungen getroffen
Neben diesen zukunftsweisenden Ausblicken standen in der Synode wichtige Wahlen an. So bestimmte der Kirchenkreis, wen er als Mitglieder zur Landessynode der Nordkirche senden wird. Gewählt wurden Christine Böttger (Rethwisch), Ulrike Hillmann (Flintbek), Pastorin Rebecca Lenz (Bad Segeberg), Dr. Werner Lüpping (Propsteierhagen), Prof. Dr. Mathias Nebendahl (Schönberg), Pastor Steffen Paar (Sülfeld), Volker Wende (Preetz) und Tobias Wendorf (Rohlstorf).
In den neugebildeten Umweltausschuss des Kirchenkreises wählten die Synodalen Martina Hoffmann (Bad Segeberg), Bettina Gräfin Kerssenbrock (Bad Oldesloe), Pastor Alf Kristoffersen (Wahlstedt), Dr. Werner Lüpping (Propsteierhagen), Julian Mallek (Preetz) und Jürgen Plischke (Preetz).
Nachgewählt in den Bildungsausschuss wurde Antje Micheel-Sprenger (Reinfeld).

Hintergrund Synode:
Die Synode des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Plön-Segeberg ist das Parlament der mehr als 120.000 evangelischen Christinnen und Christen in dieser Region (Synode bedeutet „Zusammenkunft“). Die 87 Mitglieder der Synode setzen sich zusammen aus Delegierten der 35 Kirchengemeinden, Dienste und Werke des Kirchenkreises, der von Laboe bis Bargfeld reicht. Die Synode erlässt unter anderem Gesetze, besetzt durch Wahl wichtige Leitungsämter, beschließt den Haushalt und trifft kirchenpolitische Entscheidungen. Den Vorsitz in der Kirchenkreissynode führt ehrenamtlich Präses Peter Wiegner. Die Legislaturperiode der gewählten Synodalen beträgt sechs Jahre.

Bildunterschrift: Die neu gewählten Landessynodalen (von links) sind Tobias Wendorf, Mathias Nebendahl, Steffen Paar, Volker Wende, Rebecca Lenz, Werner Lüpping und Christine Böttger. Es fehlt Ulrike Hillmann.

svg