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Bericht 2014 - 2017 vorgestellt

Flüchtlings- und Migrationssozialarbeit

14.08.2018 ǀ Stormarn/Segeberg/ Reinfeld/ Ammersbek 

Die Geschichten, die uns die geflüchteten Menschen anvertrauen, lassen sich weder in Zahlen ausdrücken, noch können wir das erfahrene Leid ermessen. Dennoch ist es hier bei uns angekommen und benötigt viele Facetten von Hilfestellung und Unterstützung.
Das, seit 2014 stetig gewachsene Team der Migrations- und Flüchtlingssozialarbeit mit 13 Frauen und 10 Männern leistet eine Arbeit, die komplex und damit sehr herausfordernd ist.



"Die neue Zeit zeigt also nicht nur unsere Möglichkeiten,
sondern stellt uns damit vor neue Herausforderungen.

Es sind Herausforderungen an unsere Fähigkeiten zu
Frieden, Gerechtigkeit und Menschlichkeit"
, schreibt Propst Erich Faehling in seinem Grußwort zum Bericht. 

In dem Bericht 2014 - 2017 geht es nicht allein um statistisch erhobene Daten, sondern ebenso um wichtige Aspekte, die Einfluss auf die Förderung von gelingender Integration haben.

Hier geht es zum Bericht / pdf zum downloaden

Im Jahr 2015 stieg die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge im Vergleich zu den Vorjahren deutlich an.
Im Jahr der sog. „Flüchtlingskrise“ wurden rund 55.000 Flüchtlinge in Schleswig-Holstein aufgenommen.
Diese Zahl reduzierte sich bereits im Folgejahr auf ca. 10.000.
Das Bundesamt für Flüchtlinge hat insbesondere im vergangenen Jahr den Versuch unternommen, durch eine erhebliche Personalaufstockung, die Dauer der aufenthaltsrechtlichen Verfahrenszeiten zu verkürzen.
Im Jahr 2016 benötigte das Bundesamt durchschnittlich bis zu sechs Monate, um eine Entscheidung über den Asylantrag zu treffen.

Besonders aufgefallen war die Senkung der Schutzquote afghanischer Flüchtlinge
von 77,6 % im Jahr 2015 auf 52,9 % im 1. Halbjahr 2016.
In Anbetracht der politischen Ereignisse und Willensbekundungen der Bundesregierung lässt sich hier ein Zusammenhang zwischen dem Bemühen, Afghanistan zu einem sicheren Herkunftsstaat zu erklären und der fallenden Schutzquote erkennen.

 

Am 13. Mai 2017 ist der dreimonatige schleswig-holsteinische Afghanistan-Abschiebestopp ausgelaufen. Gemeinsam mit den Geflüchteten aus Afghanistan wünschen wir uns dringend Klärung. Hier ist die Verunsicherung unter den Ratsuchenden besonders groß.
Diese muss seitens der Politiker und Politikerinnen geschehen.

Im März 2016 trat die umstrittene Regelung in Kraft, durch die der Familiennachzug zu subsidiär schutzberechtigten Personen für einen Zeitraum von zwei Jahren ausgesetzt wurde.
Nicht nur, aber insbesondere für Schutzsuchende aus Syrien hat die Regelung weitreichende Folgen:
Zeitgleich mit dem Inkrafttreten der Regelung stieg die Zahl der Entscheidungen, in denen syrischen Asylsuchenden subsidiärer Schutz (statt Flüchtlingsschutz) gewährt wurde, massiv an.
So ist die deutliche Mehrheit der Schutzsuchenden aus Syrien weiterhin von der Aussetzung des Familiennachzugs bis nunmehr zum 31. Juli 2018 betroffen.
Mit dem Neuregelungsgesetz vom 15.6.2018 wurde der Rechtsanspruch auf einen Familiennachzug für diese Gruppe inzwischen faktisch ausgehebelt.

Wir sind besorgt über die aktuelle Entwicklung und wünschen uns eine Politik, die Grundwerte wie Menschlichkeit wieder verstärkt in den Blick nimmt.

Arbeitsfelder

Flüchtlingssozialarbeit

Der Kreis Stormarn hat unseren Träger seit dem 1.1.2015 für den Nordkreis für die Bereitstellung von Sprach- und Kulturmittlern zur Unterstützung der Kommunen des Kreises Stormarn bei der Erstaufnahme von Asylsuchenden beauftragt.
Seitdem setzen wir das Kreisprojekt zur Entlastung der Kommunen bei der Aufnahme und Unterbringung von Geflüchteten um.
Dem Kreis Stormarn zugewiesene Asylsuchende werden durch Shirin Zarghami Moghaddam beim Ankommen aus den landesweiten Erstaufnahmeeinrichtungen in Empfang genommen und in den ersten Tagen vor Ort in den Kommunen unterstützt, informiert und sprachlich bei ihren ersten Anliegen begleitet.

Seit dem 1.1. 2016 ist das Diakonische Werk für die soziale Betreuung und Beratung der Flüchtlinge in den Nordkommunen des Kreises Stormarn, der Stadt Bad Oldesloe, dem Amt Oldesloe-Land, der Stadt Reinfeld und dem Amt Nordstormarn sowie in der Gemeinde Ammersbek zuständig.
Alle Betreuungsangebote werden gemäß einer Vereinbarung durch den Einsatz von pädagogisch qualifiziertem Personal
Jennifer Risch-Kühn, Angela Remmert-Schröder, Udo  Reichle-Röber sichergestellt
sowie durch sechs Sprach- und Kulturmittler*innen:
Raja Mustafa, Maryam Esmaieli, Kamiran Mikhael, Alireza Karimi, Ahmed Jaf, Emad Al Malak,  (mit Sprachkenntnissen Arabisch, Kurdisch, Farsi/Dari, Englisch) unterstützt und begleitet.
Eine sprachliche Verständigung ist damit gewährleistet. Für nicht abgedeckte Herkunftssprachen (z.B. Armenisch, Russisch, Albanisch, Tigrinya) wurde ein Dolmetscherpool eingerichtet, um die Aufgaben sprachlich zu begleiten.

Migrationsberatung / Jugendmigrationsdienst

Der Migrationsfachdienst (gefördert u.a. vom Land Schleswig-Holstein und Bund)  ist ein Beratungsangebot in Schleswig-Holstein für alle Personengruppen, unabhängig vom Aufenthaltsstatus.
Es beinhaltet neben der punktuellen Unterstützung im Integrationsprozess, Hilfe bei der Bewältigung migrationsspezifischer Krisensituationen.
Ziel der Beratung ist es, Migrant*innen zu selbständigem Handeln in Angelegenheiten des täglichen Lebens zu befähigen.
Im Kreis Segeberg, Kreis Stormarn Nord und Mitte sind
Gisela  Dell, Olesya Rienecker, Christine Piehl, Awesta Maroof, Ahmed Mohamed, Paul Buckendahl, Heide Kinzler, Oksana Griebel
in Fragen sowohl zum Aufenthaltsrecht, als auch zu allgemeinen Fragen der Integration Ansprechpartner*innen.

Sie bieten eine Erstberatung nach dem Ankommen in Deutschland an:

         Individuelle Integrationsplanung- und Unterstützung bei Familienzusammenführung, Sprachkursen, Ausbildung und Arbeit

         Beratung bei migrationsspezifischen Fragestellungen zu Asylverfahren, Aufenthaltsperspektiven und Rückkehr

Der Jugendmigrationsdienst steht Jugendlichen ab 12 Jahren und jungen Erwachsenen bis 27 Jahren offen. Hier begleitet  Saema Saleh-Ghrairi junge Menschen mit Migrationshintergrund mit individuellen Angeboten und professioneller Beratung bei schulischem, beruflichem und sozialem Integrationsprozess.
Individuelle Unterstützung, Gruppen- und Bildungsangebote sowie eine intensive Vernetzung mit Schulen, Ausbildungsbetrieben, Integrationskursträgern und anderen Einrichtungen der Jugendhilfe zählen zu den wesentlichen Aufgaben der JMD.

Kooperation mit der Beruflichen Schule
Vor allen in den sog. DAZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache), bietet unsere Mitarbeiterin Frau Nouha Saleh d für die Berufliche Schule Stormarn in Bad Oldesloe:

  • Einzelförderangebote beim Erlernen der deutschen Sprache und
  • Hilfestellungen für geflüchtete Schülerinnen und Schüler bei der
  • Alltagsbewältigung mit dem Ziel, die soziale und berufliche Integration der jungen Menschen zu gewährleisten.

Im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung ist eine Mitarbeiterin in den DAZ-Klassen der Beruflichen Schule tätig.

Kooperation mit dem Jobcenter
Vier Sprach- und Kulturmittler*innen: Seta Awadissian, Noor Murtadha,  Mahmoud Alawsi, Azizi (Arabisch, Armenisch, Farsi, Dari, Pashto, Englisch, Französisch) begleiten SGB II-Anspruchsberechtigte Neuzugewanderte zu Terminen. Diese werden mit den Teamleitungen der Standorte abgestimmt.

 

 

Text: Schwarz-Klatt/ Morgenthum
Foto: LN Stormarn/ Carstens