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„Arme Menschen dürfen nicht gesellschaftlich geächtet werden“

Der 5. Politische Kirchentag des Kirchenkreises Plön-Segeberg hat sich intensiv mit dem Thema Armut auseinandergesetzt

01.09.2019 ǀ Plön/Preetz 

In seiner Predigt beim Eröffnungsgottesdienst des 5. Politischen Kirchentages des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Plön Segeberg fand Propst Erich Faehling am Rednerpult der Plöner Nikolai-Kirche klare Worte: Um Armut wirksam bekämpfen zu können, bedürfe es mehr als nur Almosen und Spenden. Es käme vor allem auch auf die innere Haltung an, sagte Faehling. Bedürftige müssten das Gefühl haben, mit ihren Problemen gesehen und gehört zu werden.



„Denn Haltung kommt von Halt.“ Es sei fatal und nicht hinnehmbar, wenn neben der ohnehin schon schwerwiegenden materiellen Notlage auch noch eine gesellschaftliche Ächtung hinzukomme. „Genau hier müssen wir ansetzen, um auf wichtige Fragen gute und hilfreiche Antworten zu finden“, so Faehling.


Die These des Propstes fand beim 5. Politischen Kirchentag, der vom 30. bis 31. August in Plön und Preetz stattfand, großen Widerklang. „Die Veranstaltung hat gezeigt, wie vielfältig und gesellschaftlich tiefgreifend das Thema Armut gegenwärtig ist und auch in den kommenden Jahren sein wird“, sagt Pastorin Gertrud Schäfer, Inhaberin der ökumenischen Arbeitsstelle im Kirchenkreis. Egal ob über Kinderarmut, Armut von Frauen im Alter, Armut in Europa und der Welt oder Armut als gesellschaftsspaltendes Element – sowohl beim Eröffnungsabend in Plön als auch beim anschließenden Workshop-Tag in Preetz wurde heftig diskutiert und nach Ansätzen gesucht, wie man als Kirche und Gesellschaft die Bedürfnisse armer Menschen deutlich und angemessen in den Fokus stellen könne.

Beim Eröffnungsabend in der Nikolai-Kirche sprach Diakonin Barbara Rieck von ihrer Arbeit in der gemeinnützigen Wohnungslosenhilfe „Neue Wohnung“. Die gGmbH betreibt Containerdörfer für Obdachlose und verschafft Langzeitarbeitslosen Kleinwohnungen. „Es ist absurd, dass es selbst in Hamburg eigentlich genug Wohnraum gibt“, so Rieck. „Das Problem ist, dass dieser für sehr viele Menschen nicht mehr bezahlbar ist.“ In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass auch im ländlichen Raum diese Problematik mehr und mehr zunimmt.

In den Workshops am Samstag beschäftigten sich die Teilnehmenden mit unterschiedlichen Facetten von Armut. Die Situation von benachteiligten Kindern wurde ebenso debattiert, wie Altersarmut bei Frauen und die unzumutbaren Lebensverhältnisse von Millionen von Menschen in der afrikanischen Sahelzone.

Sowohl die Workshop-Besucher als auch die Referenten und Referentinnen zeigten sich beeindruckt, von der Intensität mit der stundenlang gesprochen, diskutiert und manchmal auch gestritten wurde. „Es hat sich gezeigt, dass das Thema niemanden kalt lässt“, sagte Julia Jünemann, die den Workshop „Altersarmut von Frauen“ mitorganisierte.

Am Ende eines langen Tages formulierten die Teilnehmenden sogenannte Mut-Appelle. „Diese konkreten Forderungen werden dem Kirchenkreis für Arbeitskreise zur Verfügung gestellt“, sagt Pastorin Schäfer. Von dort gehen sie dann in die Synode, die als wesentliches Entscheidungsgremium des Kirchenkreises diese dann in ausgearbeiteter Form an die Landeskirche weitergibt. „Wir erhoffen uns davon“, sagt Schäfer, „dass das Thema Armut und unsere Arbeitsergebnisse auch überregional größere Berücksichtigung finden .“

Der Politische Kirchentag ist eine vom Ökumene-Ausschuss des Kirchenkreises organisierte Veranstaltung, die in diesem Jahr bereits zum fünften Mal stattfand und ihr zehnjähriges Jubiläum feierte.

Mehr Informationen zum politischen Kirchentag - wie zum Beispiel die ausformulierten Mutappelle - finden Sie hier.

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