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Das "alte" Pastorat

1901 konnte das erste Pastorat in Todefelde bezogen werden und diente seitdem den Pastor(inn)en als Wohn- und Dienstsitz. Vorher hatte man dem Pastor seitens des Dorfes das kleine Haus, das jetzt noch immer rechts vom Patorat zu sehen ist, als Wohnung zur Verfügung gestellt.

Pastor Heinrich Boysen berichtet in der Chronik der Kirchengemeinde Todesfelde:

"Nach mancherlei vergeblichen Berathungen wurde am 8. Oktober 1900 in einer Kirchenvorstandssitzung der Bau des Pastorats dem Unternehmer Langhann - Segeberg contractlich übergeben nach Zeichnung vom Architekten Cornehls. Schon in den nächsten Tagen wurde der erste Spatenstich gethan und vor Weihnachten noch der ganze Keller und das Fundament fertiggetellt. Am 28. Januar wurde in Gegenwart des Kirchenvorstandes der Grundstein des Pastorats gelegt, welcher in der Nordwestecke eingemauert ist. Schriftstücke etc. sind nicht vermauert. Am Mittwoch in der stillen Woche war das Pastorat richtfertig, in der Osterwoche wurde ein einfaches Richtfestessen mit den Handwerkern vom Kirchenvorstande beim Gastwirt Gerth hierselbst eingenommen. Am 23. Jui 1901 ist das Pastorat  vom gegenwärtigen Pastor bezogen worden. Nächst Gott, der die Sachen so weit gefördert, gebührt der Gemeindevertretung sowie auch dem Unternehmer  Maurermeister Langhann ein besonderer Dank, daß das Pastorat in einfach würdiger und gediegener Weise ausgeführt ist und allen Anforderungen der jeweiligen Pastoren entsprechen dürfte."

Dem letzten Satz hat ein Späterer mit Bleistift die Randnotiz beigegeben: "Letzteres dürfte kaum der Wiklichkeit entsprechen". Wer weiß, was ihn dazu bewegt hat? Immerhin war dieses Pastorat in Todefelde bis 1979 beispielweise auch Ort des Konfirmandenunterrichtes, des Kindergottesdienstes, von Bibelkreisen und Sitzungen kirchengemeindlicher Gremien. Erst mit dem Bau des Gemeindehauses zwischen Kirche und Pastorat  zogen diese Gruppen und Veranstaltungen aus dem Pastorat aus. Bis zuletzt beherbergte es das sogenannte "Amtszimmer", das Verwaltungsbüro der Kirchengemeinde und zugleich Arbeitszimmer des Pastors.

Die Sanierung 1999

1999 wurde das Pastorat saniert und renoviert. Tatsächlich hat es vier Monate gedauert, bis alle Arbeiten abgeschlossen waren. Das alte Gemäuer steckte voller Überraschungen und zur Erhaltung der Bausubstanz mussten nach 98 Jahren recht umfangreiche Maßnahmen ergriffen werden. Der Neuaufbau etlicher Fußböden, die Modernisierung der Zweileiter-Uraltelektrik, der Austausch der gerissenen Heizungsanlage und immer wieder Malerarbeiten haben den wohl größten Anteil ausgemacht.

Leider gehörten zu den gefundenen Überraschungen keine Kiste mit verstecktem Silber oder irgend ein anderer Schatz, der uns bei der Finanzierung hätte helfen können, dafür wurden unter Fußbodenbrettern im Obergeschoss Postkarten und Briefe entdeckt, die noch aus der Studentenzeit von Pastor Johannes Suck stammten und zum Teil wohl sogar Liebesbriefe waren. Dummerweise hatten hungrige Pastoratsmäuse manche Stellen einfach weggeknabbert. Außerdem fanden sich einige Dosen in dem Jahrzehnte alten Staub und Schutt der Deckenkonstruktion, die wohl aus Care-Paketen stammten, denn sie trugen teilweise englische Beschriftungen. Alles dies sind Hinweise darauf, was sich unter dem Dach des Pastorats an Leben abgespielt und wer alles, von Pastorenfamilien bis hin zu Flüchtlingen, hier gewohnt, gelebt oder unter engsten Bedingungen gehaust hat.

 

Abriss und Neubau

2015/2016 wurde das "alte" Pastorat abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

 

Grundsteinlegung

Holger Neitz hält Fotos des alten Pastorats hoch;w.st
Der alte Schlüssel, einer von vielen, wandert ebenso in die Kartusche;w.st
Stephan Schissler verlötet fachgerecht;w.st
Pastorin Grube, Propst Dr. Havemann, Architekt Torsten Grube und Holger Neitz segnen unter Hammerschlägen und Wünschen die Menschen, die aufbauen und hier arbeiten wollen;w.st
Planzeichnung Architekturbüro Hauke und Grube

Für das erste Pastorat der Nordkirche, das theoretisch keine eigene Heizung mehr benötigt, ist in Todesfelde am 17.09.2015 feierlich der Grundstein gelegt worden. „ Ich hätte nie daran gedacht, gleich in meiner ersten Gemeinde in den ersten Monaten sowohl beim Abriss „meines“ Pastorats dabei zu sein als auch gleich die Grundsteinlegung zelebrieren zu dürfen für das Neue“, meinte Pastorin Manuela Grube Augen zwinkernd.

Zusammen mit dem Vorsitzenden des Kirchengemeinderates, Holger Neitz, und Propst Dr. Daniel Havemann befüllte sie die Kupferkapsel mit einem Gemeindebrief, dem Schlüssel und einer Ansicht des alten Pastorats und den Beschlüssen der Kirchengemeinderates zu Abriss und Neubau.  Diese Kapsel wurde sorgfältig von Stephan Schissler verlötet und anschließend vor den Augen der zahlreichen Ehrengäste, der Gemeindeglieder und den Mitarbeitern der Baufirma Specht im Grundstein vermauert.


 In ihrer Ansprache ging die Pastorin auf den Gruß Jesu ein, der seit 1901 über der Eingangstür prangte und ins Dorf hinein sprach: „Friede sei mit Euch“. Dieses Wort sei vielen Menschen in Todesfelde so wichtig geworden, dass sie sich dafür eingesetzt hätten, es auch am neuen Haus wieder lesen zu können. Das würde nun geschehen, informierte Grube die anwesende Gemeinde.

Holger Neitz erinnerte daran, dass es dem Kirchengemeinderat schwer gefallen sei, die Entscheidung zum Abriss zu fassen wegen der zentralen Bedeutung des Pastorats für all jene, die hier ein und aus gegangen waren, um ein Tauf- oder Traugespräch zu führen,  zum Konfirmandenunterricht sich anzumelden oder eine Beerdigung vorzubereiten; um sich etwas von der Seele zu reden oder Gemeindearbeit zu planen. Für ihn selbst, so Neitz, gehörte dies Haus von Kindheit an zu seinem Leben. Vielen habe der Abriss das Herz schwer gemacht.

Die Entscheidung dazu war am 11. März vorigen Jahres gefasst worden noch zusammen mit Grubes Vorgänger, Pastor Karl-Heinz Rahn, kurz vor dessen Pensionierung. Eine energetische Sanierung und Anpassung an heutige Notwendigkeiten hätte 238.000 Euro verschlingen sollen. „Danach allerdings wäre es immer noch ein Haus mit alter Bausubstanz geblieben“, so Neitz.

Der Kirchenkreis hatte 2013 der Klimaschutzzielsetzung der Nordkirche entsprechend ein Förderprogramm für die energetische Pastoratssanierung aufgelegt wodurch nun von den 480.000 Euro Neubaukosten 200.000 Euro gefördert werden. Neben dem Wohnteil mit 140 m², gehört zum Haus ein Amtszimmer, ein Büro, eine Teeküche und das Archiv. Äußerlich wird es ans alte Gebäude erinnern, Büro und Wohnung werden aber deutlicher getrennt und über eigene Eingänge erreichbar.
 

Zur Energiegewinnung werden Photovoltaik- und Photothermie - Paneele auf dem Dach und eine Wärmepumpe installiert. „Wenn alles klappt, werden wir Ende Oktober Richtfest feiern können und vor Anbruch des Winters das Haus dicht haben“, meinte Architekt Torsten Grube.

Je drei Mal schlugen Pastorin, Propst, Architekt und Kirchenvorsteher mit dem Maurerhammer auf den Deckel des Grundsteins und baten um Gottes Beistand für den unfallfreien Aufbau und die gesegnete Arbeit in diesem Haus.  
Hintergrund zur Förderung.

Hintergrund
2013 waren Kirchensteuerüberschüsse in Höhe von 1,518 Mio. Euro eingenommen worden. Die Synode beschloss damit mittelfristig systematisch die energetische Sanierung der Pastorate voran zu treiben. Zum einen sind gerade Pastorate oft in einem schlechten Bauzustand und  „Energiefresser erster Güte“, wie Verwaltungsleiter Bernd Sulimma es ausdrückte. Zum anderen ist eine Refinanzierung der Sanierungskosten für die Gemeinden nicht gegeben, weil die Mieten der Dienstwohnungen nicht im notwendigen Maße erhöht werden können. So sind nun 60 %, der durch die energetisch bedingte Sanierung ausgelösten Kosten bezuschussungsfähig. Für das Pastorat in Todesfelde bedeutet dies eine Fördersumme von 200.000 Euro bei einem veranschlagten Preis von 480.000 Euro.

Dieser Anreiz zieht seither nicht nur hier. Bis zum Frühjahr 2014  waren im Kirchenkreis  13 Pastorate mit über 425.000 Euro bezuschusst worden. Weitere sechs Projekte waren beschlossen mit einem Zuschussvolumen von weiteren 327.000Euro. Die bereits abgerechneten Objekte hatten ein Gesamtvolumen von 1.681 Mio. Euro.  Das alles zeigt, wie ernst es dem Kirchenkreis ist mit seinem Bemühen um nachhaltige CO²-Verringerung  für Gebäudeheizung.
W.Stahnke

Richtfest

Am 23. Oktober 2015 feierten wir bei sehr schönem Wetter feierlich das Richtfest. Nach einer kurzen Andacht unserer Pastorin Manuela Grube und einigen Dankesworten von unserem Kirchengemeinderatsvorsitzenden Holger Neitz wurde vom Zimmerer-Azubi Tobias Halla feierlich der Richtspruch mit anschließendem Toast ausgebracht.

Der stellvertretende Propst Ekkehard Wulf stellte nochmals die Bedeutung unseres Neubaus als erstes Passiv-Haus-Pastorat der Nordkirche heraus. Anschließend nutzten viele Gäste die Möglichkeit, den Rohbau zu besichtigen. Im Gemeindehaus konnte man sich im Anschluss bei einer Suppe und Getränken stärken.

 

Pastoratseinweihung am 8. Mai 2016

Der neue alte Schriftzug mir eiggentümlicher Schreibweise
Holger Neitz und Pastorin Grube am Nordgiebel
Bürgermeister Fallmeier, Hartenhom, überreicht einen Apflebaum;
Stellvertr. Bürgermeisterin Todsfelde, Sabine Grandt mit Blumen;
Bürgermeister Klaus-Peter Waldheuer, Fredesdorf überreicht einen symbolischen Regensschirm;
Ostseite des Pastorates mit Büro-Eingang

Erstes Pastorat im PassivhausStandard
Meilenstein beim kirchlichen Klimaschutzziel-

Am Sonntag, 8. Mai wurde in Todesfelde das erste energetisch zukunftsweisende Neubaupastorat der Nordkirche eingeweiht. Das vor gut 100 Jahren gebaute Vorgängergebäude war vor 9 Monaten abgerissen worden . Der Kirchengemeinderat hatte einstimmig den Neubau beschlossen nach gründlichem abwägen zwischen Erinnerungswert und Kosten für eine angemessene Renovierung.
„Der Kirchengemeinderat hat damals eine sehr mutige Entscheidung getroffen, als er sich zum Abriss und Neubau des Pastorates durchrang, denn an solch einem Haus hängen viele Erinnerungen und Emotionen,“ meinte der Umweltpastor der Nordkirche, Pastor Jan Christensen, in seinem Grußwort. Er dankte dem Kirchengemeinderat dafür ausdrücklich. Denn das Pastorat habe in der Nordkirche auch Vorbildfunktion und sei Versuchsobjekt, um sagen zu können, wie es sich darin lebe und arbeite. Er wolle also in einem Jahr wiederkommen, um von den Erfahrungen gerade auch im Winter zu hören. Dann wird sich zeigen, ob das Einfangen der Sonne durch Kollektoren und Fenster zusammen mit einen sehr guten Isolierung des Hauses und der Wärmerückgewinnung aus der Abluft ausreicht, um gemütlich darin zu wohnen. An dunklen Tagen kann eine Luft-Wärmepumpe zusätzlich Energie liefern.

Knapp 500.000 Euro wird das Gebäude kosten, wovon der Kirchenkreis gut 200.000 übernimmt aufgrund des Förderprogramms für die energetische Sanierung alter Pastorate.
 Pastorin Manuela Grube ging in ihrer Einweihungspredigt auf die Rolle des Pastorates als Zentrum der Begegnung der Verschiedenen in einer Gemeinde ein. Es ist das erste Pastorat, in das die junge Pastorin einziehen wird. „Ich wünsche mir, dass es wieder ein Haus sein wird, in das Menschen mit ihren Gaben, ihren Lasten und ihren Aufgaben kommen, um anderen zu begegnen, Hilfe zu erfahren und mit anderen sich zu verabreden, um Gemeinde zu bauen,“ sagte die 33jährige. 

Holger Neitz, der Vorsitzende des Kirchengemeinderates, benannte den schwierigen Entstehungsprozess.  Pastor Karl-Heinz Rahn hatte frühzeitig vor seiner Pensionierung bereits den Stein ins Rollen gebracht. 34 Jahre hatte er mit seiner vierköpfigen Familie dort gewohnt und die Schwächen des alten Hauses zur Genüge erlebt trotzt vieler Reparaturen. Er wollte dafür sorgen, dass die Gemeinde attraktiv bleibe für einen Nachfolger. „Auf Anraten des Kirchenkreises haben wir einen Architektenwettbewerb veranstaltet mit phantastischen Ergebnissen äußerlich und kostenmäßig, sodass wir daraufhin noch einmal sehr über die Möglichkeiten der Kostenreduzierung nachdenken und verhandeln mussten. Aber wir haben nun zusammen mit dem Architekten, Torsten Grube und seinem Büro, eine sehr gute Lösung gefunden.

Wichtig war dabei, dass das neue Pastorat an die 100jährige Geschichte der Gemeinde äußerlich erinnert und auch das Wort über der Tür wieder in das Dorf hinein Segen verheißt,“ meinte Neitz zur Enthüllung des Schriftzuges, „friede sei mit Euch“ am Giebel, wo einst der Haupteingang zur Straße lag.

Die stellvertretende Bürgermeisterin von Todesfelde, Sabine Grandt, überreichte mit besten Wünschen eine Große Blumenpflanze, der Bürgermeister von Hartenholm, Hans-Burkard Fallmeier,  einen Apfelbaum und der der Bürgermeister von Fredesdorf, Klaus-Peter Waldheuer, einen großen Regenschirm mit dem Wappen der  Gemeinde.  Voll wurde ds Haus anschließend. Denn zahlreich wurde von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, das Innere des Pastorates zu besichtigen, bevor die Pastorin in den nächsten Wochen einziehen wird.
W.Stahnke