nach oben

Die Orgel

Die Gemeinde hatte, zusammen mit ihrem Pastor Heinrich Boysen, nach nur gut sieben Jahren das am Todesfelder Dorfrand gelegene Gotteshaus bereits so sehr in ihr Herz geschlossen, dass es in der Chronik heißen kann:

"Die größte Errungenschaft unsrer Kirche seit ihrer Einweihung ist die Orgel, die am 8. September 1907 in Verbindung mit dem Propsteimissionsfest eingeweiht wurde. ... Die Orgel ist im Jahre 1864 vom Hoforgelbauer Jahn in Dresden für die Brüdergemeine in Herrnhut in Sachsen erbaut und hat dort 42 Jahre gedient. Im Oktober 1906 wurde bei Gelegenheit einer Missionskonferenz in Herrnhut, an welcher der hiesige Pastor teilnahm, die Orgel zum Verkauf angeboten. Die Kirchenvertretung beschloss den Kauf einstimmig, da die zwanzigstimmige Orgel mit 2000 M sehr billig erschien und uns ein Gutachten des staatlichen Orgelrevisors Röder in Lauban den Wert der Orgel bestätigte. Das Köngliche Konsistorium gab eine Beihilfe von 600 M, womit annähernd die Aufstellungs- und Transportkosten gedeckt sind, während die 2000 M angeliehen sind. Die Orgel traf nach vielen gewechselten Briefen am 11. Augut in Segeberg in einem ganzen Waggon ein, wurde am 13. ausgeladen und am 14. mit 8 Pferden in zwei Möbel- und einem Rollwagen hierherausgefahren. Zwei Montöre der Orgelbauanstalt Marcussen und Sohn - Apenrade (Inhaber Zachariassen) haben 3 1/2 Wochen zur Aufstellung und vorläufigen Stimmung gebraucht.

Der Einweihungstag, vom schönsten Wetter begünstigt, vereinte über 400 Besucher in unserer Kirche. Die Orgel wurden von den beiden hiesigen Lehrern Schütt und Seismann gespielt, die der größten Errungenschaft unserer Kirche seit ihrer Einweihung zur Freude der Gemeinde die ersten festlichen Töne entlockten. Die Weiherede des Ortspastors Heinrich Boysen, welche den Wunsch aussprach, daß mit der Orgel etwas vom Herrnhuter Geist, Kirchlichkeit, lebendiger Glaube in unsre Gemeinde einziehen möge, klang in die Worte aus:

Weiherede

"So klinge denn zu Gottes Ehr

Hinaus in die Gemein'

Und tön auch uns nun rein und hehr

Ins tiefe Herz hinein.

Wenn dankend wir vor Gott hintreten

Begleite unser frommes Beten.

Das walte Gott, der treue Herr

Und sprech sein Amen drauf,

Er stellt den Segen um uns her

Und wehr des Unglücks Lauf.

Wir weih'n in des Dreiein'gen Namen

Die Todesfelder Orgel. Amen."

 

Orgel-Erweiterungen

 

1968 wurde im Zuge der Umgestaltung der Kirche auch die Orgel von der Orgelbaufirma Kemper / Lübeck  renoviert und verändert.

 

Trompete

 1998 hat sich, unbemerkt von vielen Gemeindegliedern, an unserer Orgel in Todesfelde eine Wandlung vollzogen, ein neues, im Charakter sehr prägendes Register hat "Aufstellung" genommen.

Zum Lobe Gottes und zur Freude aller Gottesdienstfeiernden erklingen neue Töne einer "Trompete", kräftig und glänzend. Dieses sogenannte Zungenregister hat eine anders geartete Tonerzeugung als die vorhandenen Labialregister unserer Orgel und bedeutet klanglich eine große Bereicherung.

 

Gambe 8

1999, in genau dem Jahr, in dem sie 135 Jahre alt wurde und seit 92 Jahren bei uns in Todesfelde zu hören war, hat unsere Todesfelder Orgel ein weiteres völlig neues Register erhalten. Da gab es nämlich eines, bei dem man schon beim Zugucken Sonderbares erleben konnte: Zog ein Organist an dem Knopf mit dem Schild "Quintade 8" und spielte ein paar der Töne an, so wurde der Registerzug immer schnell wieder zurückgeschoben und ein anderes gewählt. Irgendwie gefiel niemandem der Klang dieses Pfeifengemisches, denn so muss wohl genannt werden, was der Orgelbauer Neuthor aus Kiel uns nun ausgebaut vor die Füße legte. Sehr alte Pfeifen waren darunter, bei denen allerdings strittig ist, ob sie überhaupt zum Originalbestand der aus Dresden stammenden Orgel gehört hatten. Vielleicht hatten ja die Marcussen-Mitarbeiter aus Apenrade diese schon 1907 beim Wiederaufbau ergänzt. Vielleicht stammen sie aber auch aus dem "Baukasten" der Firma Kemper und sind erst 1967 in die Orgel gekommen; auf jeden Fall alte und neuere Pfeifen, ganz viele aus sehr schlichtem Blech, solchem, was auch als preiswerte Dachrinne an so manchem Haus zu finden ist. So manche Versuche waren also in zurückliegender Zeit schon unternommen worden, um dieses Register technisch und klanglich spielbar zu machen und in die Harmonie der übrigen Register einzufügen. Mit wohl geringen Erfolg, wie die Reaktionen der Orgelspieler immer aml wieder zeigte.

1999 wurde diese "Quintade 8" aus der Orgel entfernt und nach nur wenig aufwendigen Umbauten durch eine "Gambe 8" ersetzt. "Gambenstimmen" in einer Orgel sind "obertonreiche offene Labialpfeifen  von enger Mensur und niedrigem Aufschnitt, haben einen den Streichinstrumenten ähnlichen Ton", so wird dieses Register im dtv-Lexikon beschrieben. Das keck bis frech, kräftig und laut aufspielbare Trompetenregister, das wir 1998 auf einen noch freien Platz im Orgelgehäuse stellen konnten, hat nun eine Ergänzung erfahren, die zu sanfteren, leiseren Tönen fähig ist und dem Gesamtklangbild des Instrumentes eine Basis, ein Fundament, einen Grund verschafft, der so vorher nicht da war. Diese Veränderung bedeutet eine klangliche Abrundung und Vervollkommnung unserer "alten Todesfelder Dame".