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Grundsteinlegung

Der 25. Juni 1899 war für die noch ganz junge Kirchengemeinde Todesfelde ein großer Festtag. Und das kam laut unserer Chronik so:

"Die erste Arbeit des Kirchenvorstandes war nun die Beschaffung der kirchlichen Baupläne. Der Riß zur Kirche...wurde angefertigt vom Architekten Cornehls in Elberfeld, in Firma Cornehls und Fritsche, von denen der erstere ein Kind des benachbarten Dorfes Kükels ist.  ... der Bau der Kirche - veranschlagt (ohne Fuhren) auf 23.000 M ... -" habe "sofort zu beginnen.

Nach Beendigung der mancherlei Vorarbeiten konnte der Grundstein zum Gotteshaus am 25. Juni, 4. Sonntag nach Trinitatis, gelegt werden. Die Gemeinde begab sich in festlich gehobener Stimmung nach Beendigung des Gottesdienstes auf die Baustelle, inmitten des Kirchhofs auf einer natürlichen Anhöhe gelegen. Hier wurde nach Absingung des Chorals: 'Nun danket alle Gott!' eine Ansprache gehalten vom Pastor loci, der das Wort: 'Einen andern Grund kann niemand legen (1. Kor. 3, 11)' zu Grunde gelegt war.

Hierauf wurde die zu vermauernde Urkunde verlesen, welche dann eingesenkt wurde in den Grund des Pfeilers, an welchem die Kanzel im neuen Gotteshaus zu stehen kommt. Während der Vermauerung wurden von der ganzen Gemeinde die vier Strophen des Reformationsliedes: 'Ein feste Burg ist unser Gott!' gesungen. Dann folgten die üblichen Hammerschläge, je 3:

1. vom Gemeindevorsteher Hinr. Ahrens, Stuvenborn, Mitglied des Kirchenvorstandes, der da sprach:
'Es sei dies Gotteshaus allezeit eine Stätte des Glaubens, der Liebe, des Friedens!'

2. vom Hufner Blunck, dem zur Zeit ältesten Mitglied des Kollegiums, unter den Worten:
'Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!'

3. vom Pastor loci mit den Worten:
'Diese Kirche entstehe und bestehe für ferne Zeiten zur Ehre Gottes, zum Segen für meine liebe Todesfelder Gemeinde, als ein Zeugnis des Glaubens für spätere Geschlechter!'

Mit dem Gesange: 'Ach bleib mit deiner Gnade!', mit dem Vaterunser und dem Segen schloß die sichtbar erhebende Feier, die bei heiterem Himmel unter hellem Sonnenschein stattfand, während unter dem Gottesdienste im Schulhause noch und auch unmittelbar nach der Feier der nach langer Dürre ersehnte Regen in Strömen floß."

So hat der damalige "Pastor loci", wohinter sich Pastor Johannes Mohr verbirgt, in der Chronik der Kirchengemeinde die Ereignisse "am Ortsausgange des Dorfes" ausführlich beschrieben.

Richtfeier

Noch nicht einmal drei Monate waren ins Land gegangen, da standen mitten auf der "Beckmann'schen Koppel" mächtige Mauern, als hätte es gegolten, das größte und schönste Gebäude des Dorfes zu schaffen. Wie hoch diese Mauern aufragen, kann heute noch jeder wahrnehmen, der durch den Mittelgang der Kirche bis zu den Altarstufen geht, um dann den Blick nach oben in den Altarbogen zu richten. Nach den Maurern der Firma Vest aus Bad Segeberg wurde Zimmermeister Riessen mit seiner Mannschaft, ebenfalls aus Bad Segeberg, aktiv. Der Dachstuhl und die aufwendige Konstruktion, die den Turm mit Glockenstube und weiter unten im Kirchenschiff die Empore zu tragen hatte, wurden fertiggestellt.

Und dann war es so weit! Pastor Johannes Mohr schreibt in der Chronik unserer Kirchengemeinde:

"Die Richtfeier des Gotteshauses wurde am Sonnabend, d. 16. September 1899, nachmittags 4 Uhr in Gegenwart der kirchlichen Gemeindevertreter gefeiert an Ort und Stelle - an diese schloß sich ein einfaches gemeinsames Essen in der Gastwirtschaft des Herrn Beckmann, hier."( = heute "Gasthof zur Eiche")

25. Februar 1900 - Weihetag

"Einzug in das Heiligtum"

Der 24. Psalm, den am Tage der Weihe ein Todesfelder Kirchenchor schon in der soeben feierlich aufgeschlossenen, gänzlich neuen Kirche zur Eröffnung der Feier gesungen hatte, trägt in unserer Lutherbibel diese Überschrift.

"Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. ... Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehre einziehe!" Der Psalm redet, singt von den Toren des Tempels, von vielleicht uralten Pforten, die da geöffnet werden sollen, damit der, dem alles gehört und der in allem ist, in dieses heilige Haus einziehe.

Morgens um 10.00 Uhr, damals vor über einhundert Jahren bewegte sich ein feierlicher Festzug von der Wohnung des Pastors, wohl Dorfstr. 13 !, "durch den reich mit Ehrenpforten und Guirlanden geschmückten und mit Tannengrün belegten Weg zur Kirche, voran der Segeberger Posaunenchor und die Schulkinder, sodann der Consistorialpräsident, der Generalsuperintendent und der Pastor loci, hinter ihnen der Propst und vier Nachbargeistliche im Ornat." So hat Pastor Boysen in der Chronik diesen Teil des Weihetages beschrieben.

"Großer Gott, wir loben dich!" und "Ein feste Burg ist unser Gott" erscholl es aus fast 700 Kehlen, so heißt es in der Chronik, und Pastor Boysen predigte über den Spruch, der den Altarbogen schmückte:

"Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Mt. 28, 20)

Da war sicher nicht nur der Stolz, hier draußen auf dem Lande endlich die erste eigene Kirche zu haben - nach gewissermaßen von den Segebergern ertrotzter Selbständigkeit -, da war auch etwas von dem Gefühl, diesen Herrn, Gott, seinen Segen ein wesentliches Stück näher zu sich geholt zu haben.

Und sie steht noch immer da, diese Kirche, wenn auch die mehr als einhundert Jahre nicht spurlos an ihr vorübergegangen sind. Auch im neuen Jahrhundert oder gar Jahrtausend erinnert, mahnt sie, ruft sie ins Bewußtsein: "Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen." IHM gehört ihr - und nicht allen möglichen oder unmöglichen Gewalten und Kräften, die nach euch zu greifen, die euch zu jagen oder zu ängstigen versuchen.

 

Kirche Todesfelde aus den ersten Jahren, noch ohne Uhr und mit ursprünglicher Turmgestalt

Weitere Baumaßnahmen

1967

erfuhr die Todesfelder Kirche eine grundlegende Renovierung, die ihr das heutige innere und äußere Erscheinungsbild verleiht. Die Planung dafür lag in den Händen des Bildhauers Max Schegulla, der auch die Farbverglasung des Rundfensters im Chorraum geschaffen hat.

1979

wurden der Turm und das Kirchendach mit Kupfer eingedeckt, um die Dachlast zu verringern und damit Schäden am Mauerwerk zu verhindern.

1983-86

erfolgte die Restaurierung der denkmalswürdigen, mundgeblasenen und handbemalten Kirchenfenster.

2015-17

Nach einem schweren Sturm im Frühjahr 2015 wurden Schäden am Eingangsgiebel der Kirche entdeckt, die anscheinend im Zusammenhang mit dem Kirchturm standen. Bei einer intensiveren Baubegehung mit einem Architekten und einem Statiker wurden dann Schäden am Gebälk des Kirchturms entdeckt. Die Statik des Kirchturms war akut nicht gefährdet. Trotzdem mussten die Schäden zeitnah behoben werden. Es stand zu befürchten, dass dies einen erheblichen Betrag verschlingen würde. Eine Schadensmeldung wurde bei der Versicherung eingereicht. Ob und in welchem Umfang es sich um einen Sturmschaden handelte, war noch nicht absehbar und war mittels Gutachter zu prüfen. Dieses Problem kam für unsere Kirchengemeinde zu einer Unzeit, da der Neubau des Pastorates nicht nur fast alle finanziellen Mittel der Kirchengemeinde gebunden hat, sondern auch personell viel Zeit und Kraft erforderte.

Im Herbst 2015 sollte es nun darum gehen, Sanierungsarbeiten am Kirchturm vorzunehmen – wie genau sie aussehen würden, sollte sich zeigen, wenn der Architekt gemeinsam mit einem Statiker und einem Maurer den Turm genau in Augenschein nimmt. Das Gerüst war zunächst vor allem eine Sicherheitsmaßnahme. Da wir nicht genau sagen konnten, ob sich Steine aus der Mauer lösen könnten, wurde das Gerüst als Schutz vor möglicherweise fallenden Steinen gebraucht – gerade im Herbst, wo die Stürme wieder zunehmen.

Fast ein Jahr später blickten wir immer noch Woche für Woche auf das Gerüst am Eingangsportal unserer Todesfelder Kirche. Wieder und wieder fragten wir uns: "Wann wird das Gerüst endlich wieder abgebaut? Wann ist die Kirchturmsanierung endlich abgeschlossen? Oder soll ich lieber sagen: Wann wird endlich mit der Sanierung begonnen? Da passiert nie etwas. Es sind keine Handwerker zu sehen, keine Veränderungen erkennbar." Das hatte aber letztlich seine Gründe. Als Kirchengemeinde durften die Sanierungsarbeiten leider nicht ohne kirchenaufsichtliche Genehmigung beginnen.  Um eine solche Genehmigung zu bekommen, mussten allerdings Begehungen mit dem Architekten der Landeskirche, einem Statiker, dem Architekten des Kirchenkreises, unserem eigenen Architekten und dem Bauausschuss stattfinden. Diese Begehungen haben im Sommer des Vorjahres und im April 2016 stattgefunden – die Meinungen der Fachleute waren deutlich: Wir sollten so schnell wie möglich sanieren, jedoch auf gar keinen Fall ohne kirchenaufsichtliche Genehmigung. So schreibt es das Gesetz vor.

Eine kirchenaufsichtliche Genehmigung war durch das Landeskirchenamt auszustellen, nachdem die Kirchengemeinde mit dem Kirchenkreis einen Finanzierungsplan erarbeitet hat. Viele Unwägbarkeiten auf dem Weg zum Ziel führten leider aber immer wieder zu Verzögerungen.

Der Kirchengemeinderat arbeitete darauf hin, noch in diesem Sommer 2016 mit der Sanierung beginnen zu können. Wir telefonierten, sprachen persönlich vor und erinnerten jeden Tag aufs Neue an die fehlenden Formular, Beratungen, etc.

Im Frühjahr 2017 war es still geworden in Todesfelde. Seit dem 2. Mai schwiegen die Glocken. Und wer in der letzten Zeit im Gottesdienst gewesen war, der hat gemerkt, dass nicht nur die Glocken, sondern auch die Orgel schwieg. Das konnte nur eines bedeuten – endlich waren die Sanierungsarbeiten am Kirchturm gestartet. Vor der Tür stehend auf der rechten Seite des Kirchturms sah man erste Spuren der Arbeiten – zunächst ein paar abgelöste Kupferplatten.

Was wurde gemacht? Zunächt wurden die Turmbalken abgefangen und dann wurde das Mauerwerk geöffnet. So kamen die Arbeiter an die verrotteten Schwellen und konnten sehen, ob es weitere Schäden gab. In unserem Fall waren die Schäden leider doch umfangreicher als ursprünglich gedacht. Neben der morschen Schwelle waren auch die Turm- und Dachbalken angegriffen. Trotz dieser ernüchternden Nachricht war positiv festzuhalten, dass die Arbeiten planmäßig vorangingen.

Im Herbst 2017 war nach fast zwei Jahren das Eingangsportal der Todesfelder Kirche wieder zu sehen - ohne Gerüst und in ganzer Schönheit. Die Glocken läuteten wieder und auch die Orgel erklang wieder. Nach vielen Hürden und Umwegen auf dem Weg zur Instandsetzung des Kirchturms ging es mit den eigentlichen Arbeiten schließlich ganz schnell. Kaum angefangen, waren die Arbeiten auch schon abgeschlossen. Die Arbeiten sind gut verlaufen - Überraschungen sind nicht zu Tage getreten. Und auch von den 500 Verankerungsdübeln, die nun die Fassade zusätzlich stützen, ist nichts zu sehen.