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Das Giebelfenster

Wenn auch der Name unseres Dorfes Todesfelde und - davon abgeleitet - unserer Kirchengemeinde mutmaßlich nichts mit dem Tod zu tun, sondern vielmehr seine Wurzeln hat in ,,to Odes Felde" (plattdeutsch für ,,zu Adolfs [Landesherr] Felde"), so war es Mitte der 60er Jahre wohl auch die nächstliegende Assoziation, die den Maler und Bildhauer Max Schegulla aus Dierkshausen zur thematischen und künstlerischen Gestaltung der Fenstergruppe in der Apsis unserer Todesfelder Kirche anregte.

Das Giebelfenster der Todesfelder Kirche

In der Erläuterung zu seinem Entwurf schreibt der Künstler: ,,Das Thema des Rundfensters ,,Auferweckung aus Sünde und Tod" angeregt auch durch den Ortsnamen Todesfelde, das zum ,,Feld des Lebens" werden kann, wird durch ein vielfä(l)tig abgestuftes Blau beherrscht. ... Durch die Liebe und das Blut Christi - symbolisiert durch die Grundfarben Blau und Rot - können wir aus Sünde und Tod gerettet werden, so könnte die Botschaft dieser Fenstergruppe verstanden werden. Der Sinn der Fenster ist gleichzeitig auf Altar und Taufe in der Apsis bezogen."

Zur Ausführungstechnik beschreibt Max Schegulla weiter: ,,Um die Abstufung in den blauen und roten Gläsern zu erreichen, muss teilweise ein besonders wertvolles Echt-Antikglas verwandt werden, das aus mehreren verschiedenen Glasschichten besteht, ein Überfangglas, das geätzt werden kann und dann farbige Halbtöne gibt ... Es handelt sich hierbei um die edelste Ausführung einer Bleiverglasung. ... Chagall hat diese Technik in den Jerusalemfenstern angewandt."

Was aus all diesen Ideen, Überlegungen und Entwürfen geworden ist, dominiert den Altarraum der Kirche, zieht die Blicke aller Besucher auf sich - und ist und bleibt doch nicht wenigen nur schwer oder gar nicht erschließbar. Darum soll hier ein weiterer Versuch gemacht werden, die Details und das Gesamte der wunderschönen Darstellung zu beschreiben.

Wohl alle finden im oberen Bereich des Rundfensters die Gestalt des gekreuzigten und auferstandenen Christus, von dem allerdings nur ein Teil des Oberkörpers, der Schulterbereich, der Kopf und die Arme zu erkennen sind. Unverkennbar auch: die roten Nägelmale. Die linke Hand reckt sich zum Himmel empor und erweist den Auferstandenen als Herrn und Richter der Welt, als den, der alle Macht hat im Himmel und auf Erden. Verfolgen wir mit unseren Augen die Umrisse der Christusgestalt, so entdecken wir den rechten Arm des Erlösers und Retters, der sich diagonal fast durch das ganze Bild erstreckt. Hier unten liegt quer eine im Leiden gekrümmte, im Tode hingestreckte und gebrochene, völlig elende menschliche Gestalt. Sie ist vollständig auszumachen, doch schmerzt der Anblick der unnatürlich angewinkelten Beine (links), der leblos verbogenen Arme und des nur noch am Hals hängenden Kopfes (rechts). Mit seinem rechten Arm aber hat der Auferstandene mit mächtiger und zugleich bergender Gebärde diese dem Leiden und dem Tod verfallende Menschengestalt schon umfasst, um sie nicht im Nichts versinken zu lassen, um sie nicht der Macht des Todes preiszugeben, sondern sie zum Leben, zum ewigen Leben hin, zu bewahren. Der Hintergrund dieses Fensters wird gebildet durch ein großflächiges, diagonal sich erstreckendes Kreuz, - auszumachen am besten durch die seltsamen hellen Bögen-, das ganz deutlich da ist, aber durchbrochen wird durch das dargestellte Geschehen aus Rettung und Bewahrung zum Leben.

Die drei kleinen Fenster der Todesfelder Kirche

Zum Schluss noch ein Satz zu den drei kleinen Fenstern, die mit Hilfe von Mt. 25, 35ff zu verstehen sind: Hier lässt sich (von links nach rechts) finden, was Jesus in diesem Gleichnis beschreibt: ,,...ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen."

Das große runde Fenster ist eine großartige Passions- und Osterpredigt ohne Worte, die uns die Hoffnung nahebringt, die wir aus Kreuz und Auferstehung gewinnen dürfen. Die drei Glasbilder darunter legen uns unsere christliche Alltagsverantwortung nahe, in deren Wahrnehmung wir die Gegenwart Gottes würdigen sollen und erfahren können. (Zitate etc. entnommen aus Chronik der Kirchengemeinde und gesammeltem Archivmaterial)

So sahen die Giebelfenster vor der Renovierung der Todesfelder Kirche Mitte der 60er Jahre aus:

Der Altarraum der Todesfelder Kirche früher

Das Spruchband "Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende", das sich im Halbrund über dem großen Rundfenster befindet, war bei der Renovierung übergestrichen worden und bis ca. 2003 nicht sichtbar.

Frau Inge Kröger (+2001) aus Bark hatte den Wunsch, den alten Schriftzug über dem Altar der Todesfelder Kirche wieder sichtbar zu machen. Dazu hatte sie sogar eine Unterschriftenaktion eingeleitet. Die Arbeiten waren leider noch nicht ausgeführt, so dass sie im Jahre 2001 starb, ohne dieses Schriftband wiedergesehen zu haben. Sie wollte ihrer Kirche etwas Gutes tun und auch zur Finanzierung dieser Ausmalung beitragen und ließ darum anlässlich ihrer Beerdigung um Spenden für ihre Kirchengemeinde bitten.

Ca. 2003 wurde der Schriftzug dann schließlich durch Maler Rainer Holz aus Todesfelde wieder hergestellt.