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Der Flügelaltar der Emmaus-Kirche Hartenholm

Suchende Augen werden in der Hartenholmer Kirche vergeblich nach einem klassischen Kreuz Ausschau halten. Wer hoch aufschaut, kann lediglich ganz oben in der Spitze der Altarwand ein etwas seltsam anmutendes Kreuz entdecken: Ein Lüftungsgitter, das allerdings eher zum Schmunzeln Anlass gibt. Seltsam - wäre da nicht der besondere Flügelaltar, das Schmuckstück dieser Kirche, denn der erinnert geöffnet dann schon eher an ein Kreuz und erzählt eine ganze Reihe besonderer Geschichten.

Offener Flügelaltar der Kirche Hartenholm

Offener Flügelaltar der Kirche Hartenholm

In der "Segeberger Zeitung" vom 20. März 1963 stand extra für die zur Einweihung oder zukünftig in die Kirche kommenden Besucher eine Erläuterung, die sich in der Chronik der Kirchengemeinde erhalten hat. Unter der Überschrift

"Künstlerischer Ausdruck biblischer Gleichnisse"

stand da damals u.a. zu lesen:

"Das Mittelteil des Schnitzaltars stellt die Auferstehung des Herrn dar. Er zeigt den auferstandenen Herrn, aus dem Dunkel ins Licht erhöht; daneben den Engel am Grabe, die dorthin eilenden Frauen und die schlafenden Wächter. Das Mittelteil ruht auf einer Predella (Sockel eines Altaraufsatzes) mit der Darstellung der Pieta: Maria umfängt mit ihren Armen den gekreuzigten Herrn.

Die Seitenflügel zeigen das Werk des Gekreuzigten und Auferstandenen.

Links: Christus, der gute Hirte, der sein Leben lässt für die Seinen und sie vor den Angriffen der Wölfe bewahrt.

Rechts: die Ernte des Herrn; Garben mit hundertfältiger Frucht, die Gott dargebracht werden und das Feuer für das Unkraut, die Dornen und Disteln."

Weiter wird der Bildhauer und Maler Max Schegulla aus Dierkshausen, der diesen Altar künstlerisch gestaltet hat, zitiert:

 "Der Altar lebt aus dem Hoffen, das von der Liebe getragen wird. Die Pieta, das Dahingegebensein zur Rettung der Welt, gebrochenes Brot und Kelch, sind die Zeichen. Wer eingegangen ist in dieses Bild, der weiß, dass die Welt im tiefsten Grund getragen wird vom unaufhörlichen Opfer der Liebe."

Geschlossener Flügelaltar der Kirche Hartenholm

Geschlossener Flügelaltar der Kirche Hartenholm

Wird der Altar - beispielsweise in der Passionszeit und vor allem am Karfreitag - geschlossen, zeigen die Rückseiten der Flügel die sog. Verkündigungsszene aus dem Lukasevangelium, Kap. 1, 26 ff. Der Engel Gabriel besucht die Jungfrau Maria in Nazareth und kündigt ihr an, dass sie auf geheimnisvolle Weise durch den Willen Gottes schwanger werden und den gebären soll, der "Sohn des Höchsten" genannt werden wird: Jesus. Dies ist ein Nachtrag des mit dem Pastorenehepaar Meyns befreundeten Künstlers Max Schegulla, - ein Geschenk zur Geburt ihrer Tochter Annette, die ihn zu diesem zusätzlichen Werk inspiriert hatte. So berichten die Eheleute Herta und Paul-Gerhard Meyns, die von 1961 bis 1970 in unserer Kirchengemeinde Todesfelde als Kirchenmusikerin bzw. Pastor wirkten. Max Schegulla arbeitete ein paar Jahre später übrigens auch bei der Renovierung der Todesfelder Kirche entscheidend mit. Die damals neue Farbgebung und vor allem die Neugestaltung von Altarraum und Fenstergruppe in der Apsis gehen auf diesen Künstler zurück.