nach oben

Die historische Barockorgel

Erste Nachricht über das Vorhandensein einer Orgel in unserer Kirche gibt es aus dem Jahre 1623. Diese Orgel war aber offensichtlich eher min­der­wertig, da bereits 1640 eine Reparatur eines un­be­kannten Meister für die damals hohe Sum­me von 450 Reichsthalern nach­zu­wei­sen ist. Der Organist aus dem benachbarten Schön­berg erhielt 1670 drei Reichsthaler für die »Ab­nah­me« der Orgel. Allerdings ist nicht nach­zu­wei­sen, dass in diesen Ta­gen aus dem Kirchenvermögen Geld an einen Orgelbauer gezahlt wurde. Dies könnte bedeuten, dass das In­stru­ment gestiftet wurde. Orgel­bau­meister Grollmann aus Hamburg fand bei den Restaurierungsarbeiten 1960 in einer Windlade einen Zettel mit der Jahreszahl 1711. Dieser zerfiel bei Ablösungsversuchen, so dass nicht gültig zu klären ist, ob die heutige Orgel 1670 oder 1711 gebaut wurde, oder ob es sich 1711 um eine Re­pa­ratur handelte. Or­gel­bau­er­na­men wurden in diesem Zusam­men­hang nicht genannt.

 

1788 war eine größere Reparatur mit Veränderungen durch Orgelbauer Mittelheuser aus Wilster geplant. Hierzu gibt es eine Accordierungsakte, ein endgültiger Vertrag ist jedoch nicht nachweisbar. So blieb das Werk in zwar reparaturbedürftigem, aber originalem Zustand bis 1831 er­hal­ten. In diesem Jahr führten Marcussen & Reuter in Apenrade größere Reparaturen und wahr­schein­lich auch Änderungen an der Disposition durch. 1876 berichtete der Orgelrevisor Cirsovier: »Die gedachte Orgel ist ein sehr altes, ursprünglich recht gut ge­ar­bei­te­tes Werk und höchst repara­tur­be­dürftig.« Bei den durchzuführenden Res­tau­rie­rungs­ar­beiten schlägt er verschiedene, dem da­maligen Geschmack entsprechende Dispo­si­tions­än­de­rungen vor, die aber nie zur Aus­füh­rung ka­men. So blieb die Grund­sub­stanz der Orgel glücklicherweise bis in un­sere Zeit erhalten.

Allerdings schlug 1917 auch hier der »Prospektmord der Heeres­ver­wal­tung« zu: die Prospektpfeifen aus Zinn wurden eingeschmolzen und durch silberbronzierte Holzlatten ersetzt, um für Kriegszwecke ver­wen­det zu werden. Die Holzlatten wurden erst bei der grundlegenden Res­tau­rie­rung 1960 durch hochwertige Zinnpfeifen ausgetauscht.

 

 

1980 wurde die Balganlage von Orgelbau Hoffmann (Hamburg), Nachfolger von Grollmann, restauriert und im Jahr 2000 eine gründliche Generalreini-gung durchgeführt.


Bei Nachforschungen - alte Handwerkerrechnungen betreffend - im Landesarchiv in Schloss Gottorf fand unser ehrenamtlicher Kirchenführer Horst Perry 2015 zufälligerweise eine Notiz, dass die Orgel 1715 von Hinrich Wiese aus Kiel erbaut sei. Auch wenn dies zutreffend sein sollte, sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ältere als gut eingeschätzte Teile beim Bau berücksichtigt worden.