Ev.-Luth. Kirchenkreis Plön-Segeberg

Predigten und Vorträge Propst Dr. Kasch

17.05.2012

Predigt am Himmelfahrtstag 17. 5. 2012 über Offenb 1,4-8 in Vicelin Pronstorf

Predigt am Himmelfahrtstag 17. 5. 2012 über Offenb 1,4-8 in Vicelin Pronstorf

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Predigttext: Offenb 1, 4-8
Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Frie-de von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden!
Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Er-de. Ja, Amen.
Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.

Herr dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Amen.
Liebe Gemeinde,
wer einen Film drehen wollte über das Himmelfahrtsgeschehen, der müsste zunächst immer wieder die Ostergeschichten filmen. Der Geschundene, Gemarterte, Zu-Tode-Gebrachte erscheint seinen Jüngern und Freunden, den Frauen und Männern, die mit ihm gelebt hatten. Sie hatten ihn schon wegwerfen wollen, waren alle geflohen. Sie kamen zum Grab, um ihn einzubalsamieren, das arme geschundene Opfer aufzubewahren für die Ewigkeit. Er schien doch so klar widerlegt mit seinen Heilungen, mit seiner Botschaft von der Liebe Gottes. Sie hatten sich getäuscht. Da war nirgendwo Reich Gottes, nur brutal gnadenlose Welt.
Und nun plötzlich dieses: Er erschien ihnen, war nicht tot, war sehr lebendig in ihrer Mitte. Sie heilten in seinem Namen. Sie kamen als Gemeinde zusammen. Andere Menschen drängten herzu. Und immer wieder war er spürbar und sichtbar dabei. Sie haben nach und nach erst verstanden was das bedeutet. Es hieß nicht: „er ist ja gar nicht tot.“ – Es hieß auch nicht: „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht“, unsere Freundschaft.
Sie konnten das kaum in richtige Worte fassen. Aber für sie wurde zur Gewissheit: nicht der Tod hat das letzte Wort über diesen Jesus, sondern das Leben. Die Zeit mit ihm, seine Heilungen und Wunder, seine Botschaft von Gottes bedingungsloser Liebe war nicht vergeblich, nicht ein Irrtum, ist nicht widerlegt. Sie müssen das nicht alles wegwerfen. Es bleibt in Geltung. Es wirkt in ihnen weiter.

Sie verstanden nach und nach, dass das Entsetzen, das Leiden und Sterben zu uns Menschen gehört, und dass es nicht Gott widerlegt. Gott ist anders. Er kommt nicht vom Himmel, um dazwischen zu hauen und zu retten, die ihn lieben. Gott vernichtet nicht das Böse, rottet es nicht aus. Kreuzzüge gegen das Böse sind das schrecklichste Missverständnis des Christentums, das man sich denken kann.
Gott erleidet das Böse. Er nimmt es auf sich. Er ist bei den Opfern – und er verwandelt alles in Leben: Das Leiden, das Sterben, die Schuld, die Bosheit. Gott macht Leben daraus.
Das alles würde ich filmen wollen. Es hat seine Zeit gebraucht, bis die Jünger das ver-standen haben. 40 Tage, sagt die Apg. Das ist immer die Zeit der Fülle. Die Zeit des „es ist erreicht“, des „es ist genug“, „das Maß ich voll“. 40 Tage dauert die Sintflut. 40 Jahre zieht das Volk Israel durch die Wüste, 40 Tage und Nächte wandert Elia in der Kraft der Speise des Engels zum Berg Horeb, 40 Tage fastet Jesus in der Wüste.
So auch hier: Sie haben es verstanden. Die Botschaft war angekommen. Sie brauchten die Erscheinungen nicht mehr. Die Osterkerze kann gelöscht werden. Wir tragen das Licht in uns selber weiter. Der Geist wird uns zu Pfingsten darin nochmals neu gewiss machen.

Und dann würde mein Himmelfahrtsbild nicht so aussehen wie auf dem Altar in der Segeberger Marienkirche, wo noch die Füße Jesu zu sehen sind, während er gerade in den Wolken verschwindet. Filme haben ganz andere Möglichkeiten. Ich würde die mensch¬liche Gestalt des Jesus von Nazareth immer mehr ins Licht verwandeln. Sie verliert ihre Konturen und wird ein Licht, das die Welt hell macht, gerade auch an ihren dunklen Orten.
Damit würde klar: Himmelfahrt ist nicht ein Abschiedsfest, sondern Anfang und Verhei-ßung. Sonst hätte die Bollerwagen-Gesellschaft da draußen Recht, die lieber ein Früh-lings-Männer-Besäufnis-Fest feiert, als dem Christus in den Himmel nachzuschauen. Wenn es um Abschied ginge, dann könnten wir den Jesus getrost vergessen.

Aber Achtung: Der Predigttext dreht uns förmlich um, nach vorne, in die Zukunft. Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Der Gewesene ist der Kommende. Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen.
Himmelfahrt ist nicht Abschied, sondern Thronbesteigung. Was bisher nur von einer kleinen elitären Minderheit gesehen wurde, wird jetzt für alle sichtbar: Die Liebe wird zum bestimmenden Grundmuster der Welt.

Alle werden diesen Christus sehen. Seine Gemeinde ebenso wie die Bollerwagen-Leute und wie die politisch Mächtigen, ob sie nun Merkel heißen, Hollande, oder Mladic.
Ob sie Täter sind oder Opfer. Ob sie angesehen sind oder unscheinbar. Die heute alle woanders sind und nach allem Möglichen schauen, das sie freut. Sie werden ihn eines Tages sehen, wenn er kommen wird, wie er gegangen ist.

Dieser eine wird alle Blicke auf sich ziehen. Und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde.
Denn an ihm werden alle sehen, wie weit sie ihr Leben verfehlt und ihre Möglichkeiten vertan haben. Dieser eine steht für alle Geschundenen, die um ihr Leben und ihr Glück gebracht wurden. Er steht für die Opfer von falscher Herrschaft, von Unrecht, Ausbeutung und Gewalt. In ihm begegnen uns alle, denen wir Liebe schuldig geblieben sind, die wir enttäuscht, gekränkt und verletzt haben.
Er, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Kö-nigen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Das ist die nun gar nicht mehr geheime Matrix der Welt, das, was sie im innersten zu-sammenhält, was das Leben auf ihr gelingen lässt. Nicht einfach, dass Gott der Herr ist. Das ist so banal. Das bedeutet noch nichts. Nein, dass solch ein Gott die Welt regiert, das ist die nachösterliche Himmelfahrtsaussage, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat.

Die Matrix der Welt heißt eben nicht: Es gibt viel zu tun, packen wir es an. Sie heißt auch nicht: Leiste, was, dann biste was. Spiel in der Bundesliga, dann verdienst du Millionen. – Irgendwann gehörst du zum alten Eisen, machen andere sich über dich lustig. Wenn dein Wert in dem besteht, was du leistest, wirst du irgendwann wertlos sein.
Sie heißt auch nicht Auge um Auge, Zahn um Zahn, so gerecht das mal gewesen ist. Friede entsteht dadurch nicht, allenfalls ein Ausgleich an Verletzungen.

Die Matrix der Welt heißt auch nicht Geiz ist geil und alles muss so billig wie möglich sein. Die Betrogenen sind dann immer die Produzenten, die Arbeiter, die Ausgebeute-ten.

Sie heißt auch nicht: Gönn dir mal was! Hau mal ordentlich auf den Putz und lass dich volllaufen, bis du dich nicht mehr auf den Beinen halten kannst. Auch dieses Genuss- Prinzip ist viel zu kurz gedacht, wie du am Kater merken wirst, der dich am nächsten Morgen holt.
Wer nach diesen Gesetzen lebt, wird wehklagen um seinetwillen. Der er veröffentlicht das wahre Gesicht der Welt, das entscheidende Grundprinzip der Schöpfung: der uns liebt und uns erlöst hat.

Die wahre Matrix der Welt ist ein ungeheurer Überschuss an Liebe. Und wer sich vom Christus dafür die Augen öffnen lässt, wird das immer wieder bestätigt finden.
Sich freuen und lachen, richtig lachen, kann man nur in Gemeinschaft mit anderen. Von Herzen glücklich sein kann man nur, wenn jemand dieses Glück mit einem teilt.
Wenn es gelungen ist, einem anderen eine Freude zu machen, dann ist plötzlich die eigene Freude auch da.

Das gar nicht geheime Geheimnis der Welt ist, dass wir unser Leben finden, wenn wir es für andere hergeben. Wenn wir uns einsetzen für wichtige Ziele, dann werden wir aktiv und lebendig. Dann sind wir nicht so schnell gekränkt und beleidigt. - Wenn wir lieben, sind wir fröhlich, fürsorglich und stark. Nicht in der Arbeit, nicht im Feiern oder im Entspannen liegt unser Leben, sondern in der Liebe. Jeder kann herausfinden, wenn er es versucht.
Himmelfahrt heißt: Die Liebe selber sitzt auf dem Thron und wird wiederkommen in den Wolken und alle, alle werden es zuletzt begreifen
So wie sich über das Neugeborene das lächelnd zärtliche Gesicht der Mutter neigt, so wie der Vater es liebevoll auf seinen Armen in die Welt trägt, so sollen wir ein liebevoll geneigtes – =gnädiges – Gesicht über unserem Leben glauben und uns getragen wis-sen in allen Höhen und Tiefen unseres Daseins. Wir sollen unserem Gott das Leben glauben und der Liebe dienen. Er hat uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater.
Er hat uns hineingenommen in diesen Wesenszug seiner Herrschaft. Wir sind Liebha-ber der Schöpfung, der Natur, der Menschen und ihres Schöpfers. Darum sind wir heute hier. Und eines Tages werden alle das begriffen haben und wehklagen über die vertanen Zeiten ihres Lebens. Dann aber fröhlich an der Seite des Herrn, der keine Verlorenen will, sich ins Leben führen lassen.

Ich habe mal in dieser Kirche eine der Hochzeitsmusiken miterlebt. Dazu wurden die Ehepaare eingeladen, die im letzten Jahr geheiratet hatten. Ich saß ganz hinten. Vor mir saßen etliche junge Leute. Da legte sie dann ihren Kopf auf seine Schulter und beide lauschten der Musik. Zwei andere rückten ganz eng zusammen, wieder andere gaben sich ganz dezent ein Küsschen.
Gnade sei mit euch und Friede…. Das heißt auch: Hütet eure Liebe. Ihr gehört die Zu-kunft. Traut eurem Herzen, eurer Sehnsucht nach Leben und Freude, und Glück. Und hütet eure gemeinsamen Schätze. Vergebt einander eure Schwächen! Nehmt auf euch die Schuld des anderen! Ringt mit ihm oder ihr, um den gemeinsamen Weg, aber lasst euch nicht trennen von den Krisen des Alltags. Streiten ist wichtig, aber das Schönste daran ist die Versöhnung.
Und wenn die Liebe dann doch scheitert, wenn sie sich entzieht und Trennung unver-meidlich wird, dann bleibt erst recht das die Matrix der Welt: Gnade und Friede. Auch die Trennung wird nur gelingen, wenn sie von Gnade und Frieden durchdrungen ist.

Und das gilt nicht nur dem kleinen privaten Raum. Es gilt auch für den großen politi-schen. Die Parteien streiten um die Macht für sich. Um Mehrheiten im Parlament. Das ist legitim und soll so sein. Aber sie machen sich gegenseitig fertig, ohne Gnade und Friede. Das nervt die Wähler und vertreibt sie von den Urnen. Wenn in Gnade und Friede gerungen würde, was der beste Weg für unser Land ist, wenn die gute Idee der anderen Partei interessiert aufgenommen und weiterentwickelt würde, dann könnte es eine Freude sein, zu wählen und Politik zu treiben.

Dass der Christus die Macht hat, dass er auf dem Thron Gottes sitzt, dass die Liebe regiert, das vergessen die Mächtigen immer mal wieder. Dann werden sie von frustrier-ten Wählern oder gar Revolutionen daran erinnert. Dann bäumt sich die Liebe auf und setzt sich durch. Auch gegen Panzer und Raketen, gegen Terror und Gewalt.
Das Fest Christi Himmelfahrt feiert den Gott, der da ist und der da war und der da kommt, ……den Herrn über die Könige auf Erden! Ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen ……
Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. Aber dieser Tag will nicht nur heute gefeiert werden. Sondern mit ihm will uns der Christus alle Tage unseres Lebens in den Dienst der Herrschaft der Liebe stellen, der uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Ver¬nunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

(Predigt Pastor Dr. Klaus Kasch)

gedruckt aus: http://www.kirchenkreis-ploen-segeberg.de, am 18.05.2012 | 14:58:59

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Losung für Freitag, 18.05.2012

Wer ist nun willig, heute eine Gabe für den HERRN zu spenden?
1.Chronik 29,5

Jeder gebe, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, ohne Bedauern und ohne Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
2.Korinther 9,7

© Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine
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aktualisiert am: 17.05.2012 | 19:04:41