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Das Labyrinth ist kein Irrgarten

- Über die Kunst zu wandeln

Das Labyrinth fordert dazu auf, sich selbst und anderen zu begegnen.
05.09.17 ǀ Plön 

Die Idee gab es schon länger. „Macht doch mal etwas im Labyrinth!“ hatten ehrenamtlich engagierte Frauen, die das Labyrinth im Garten des Osterberg Instituts in Niederkleveez pflegen,  vorgeschlagen. Pastorin Ruth Gänßler-Rehse und Diakonin Julia Patzke freuten sich über die Gelegenheit für eine gemeinsame Veranstaltung. In der Vorbereitung ließen sie sich von dem, was es über Labyrinthe zu lernen gibt, faszinieren: Ein Labyrinth ist kein Irrgarten und auch kein Mandala. Ein Labyrinth besitzt nur einen einzigen Weg, der hinein und über die Mitte wieder hinaus führt. Es gibt keine Verzweigungen, an denen frau stehen bleiben und sich für die weitere Richtung entscheiden kann oder muss; es geht nur vorwärts oder zurück.



Die 5000jährige weltweite Geschichte des Labyrinths wurde gezeichnet oder mit Steinen gelegt, gepflanzt oder mit Mauern gebaut. Auch im Christentum hat das Labyrinth als Symbol für Ein- und Umkehr seine Spuren hinterlassen.

Die Teilnehmenden standen an einem herrlich sonnigen Sonntag vor „ihrem“ Labyrinth. Eine steinerne Scheibe inmitten der grünen Wiese. Dunkle Steine heben sich von helleren ab und kennzeichnen den verschlungenen Weg.

Wird es gelingen, das große graue Rund mit Leben zu füllen?
Hauptakteur an diesem Tag ist das Labyrinth, das seine Wirkung entfaltet.

Nach Begrüßung, Vorstellungsrunde der zwanzig Teilnehmerinnen und einem gemeinsamen Lied ist es soweit. Die Frauen betreten nacheinander das Labyrinth, um es für sich allein das erste Mal zu begehen und zu erkunden. Diejenigen, die noch oder schon wieder am Rand stehen, begleiten sie singend: „Schöpfe Atem, schwinge…!“ Die Frauen gehen schweigend, konzentriert, jede in ihrem eigenen Tempo den langen Weg hinein bis zur Mitte und wieder hinaus. In kleinen Gruppen sprechen sie hinterher über das Erlebte. Der Gang hat die eine aufgewühlt und die andere getröstet, eine entspannt und die andere angestrengt. Ohne Wirkung ist das Labyrinth auf keine geblieben. Der vertrauensvolle Austausch zwischen den Teilnehmerinnen, die sich zum großen Teil vorher nicht kannten, setzt sich beim gemeinsamen Mittagessen fort.
Noch dreimal gehen die Frauen an diesem Tag den Weg zur Mitte und wieder hinaus; einmal begleitet von den biblischen Frauen Ruth und Orpa, einmal singend Hand in Hand im Pilgerschritt und noch einmal allein.

Auf dem abschließenden Gang wird der persönliche Lebensweg nachgezeichnet. Besondere Stationen jeder Frau werden mit Steinen, Scherben, Federn oder bunte Glassteinen markiert.

Als Inspiration werden Karten mit Zitaten aus Literatur und Bibel mitgenommen.
Nach dem Abschlusssegen werden Rosen aus der Mitte an die Teilnehmerinnen verteilt als Anerkennung für  Offenheit und Mut, sich auf die verschlungenen Wege einzulassen und im Labyrinth sich selbst und einander zu begegnen.


Patzke/Morgenthum