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Friedhöfe in Probsteierhagen

Der alte und der neue Friedhof aus der Luft

Seit dem Bau der Kirche 1259 bis 1844 wurden alle Toten des Kirchspieles auf dem Friedhof rund um die Kirche beerdigt. Nur Pastoren und Organisten mit ihren Familienangehörigen hatten das Recht, in der Kirche beigesetzt zu werden (z. B.: 1760 den 6. May ist der entseelte Leichnam meines ältesten Sohnes Christoph Jacobsen in hiesiger Kirche christüblich beerdigt worden). Mit der Verlängerung des Kirchenschiffes und dem Bau des neuen Turmes in den Jahren 1785-1788 war es erforderlich auch den Friedhof neu einzuteilen.

Jeder Ort des Kirchspieles bekam nach der Einwohnerzahl eine Sektion zugewiesen. Damals wurden noch das Gut Hagen und die Dorfschaft Hagen (Kirchdorf) getrennt aufgeführt. Die Dorfschaft Hagen bekam mit den wenigsten Einwohnern auch die kleinste Sektion. Es gab damals bereits ein „Regulativ für den neuen Begräbnisplatz“.

Von der 13 Paragraphen umfassenden Verordnung ist im § 5 niedergeschrieben, dass ohne Unterschied des Standes des Verstorbenen jede Gruft 8 Fuß tief, 7 Fuß lang und 3 Fuß breit angelegt werde, gegraben und dabey festgesetzt, dass in jeder Gruft 2 Leichen aufeinander kommen, dass zwischen denselben eine Erdschicht gelegt werde. Im § 8 ist niedergeschrieben: Es ist nicht eher eine neue Gruft zu graben, als bis die zuletzt gemachte mit 2 Leichen besetzt wurde. Familiengrabstätten gab es zu der Zeit auf dem Friedhof nicht.

Aber auch bei dieser Platz sparenden Belegung wurde der Friedhof zu klein für die wachsende Bevölkerungszahl, so dass die Prasdorfer bereits Gräber im Grenzbereich zu den Sektionen von Passade und Wendtorf anzulegen begannen. Darauf beschwerten sich beide Dörfer beim Klosterprobst in Preetz, und gemeinsam mit vielen anderen Bürgern des Kirchspieles baten die wahlberechtigten Grundbesitzer des Kirchspieles Probsteierhagen um Anlegung eines neuen Begräbnisplatzes auf dem zum Pastorenland gehörenden Flurstück „Jürgenskoppel.“

Nach Vermessung, Planierarbeiten, Anlegen der Wege und Pflanzen einer Dornenhecke und der Linden wurden alle Bestattungen ab August 1844 auf diesem Friedhof vorgenommen. Auf dem Friedhof an der Kirche durften ab diesem Zeitpunkt keine Bestattungen mehr vorgenommen werden. Einzige Ausnahme in den vergangenen 168 Jahren sind einige Gräber von Kriegsgefallenen von 1945.

Historie
Auch dieser Friedhof wurde in Sektionen für jedes Dorf eingeteilt, nur mit dem Unterschied, dass die Besitzer von Hufenstellen und von Hausbesitzern, die an die Kirche Steuern abführten, Pertinenzgräber (Zugehörgräber, die an die Hufe bzw. das Haus gebunden waren. Bei Verkauf der Hufe übernahm der neue Besitzer die Grabstätte), während Insten und Dienstboten weiterhin in Reihengräbern beigesetzt wurden. Diese Grabstellen waren für die Hufner 15 Fuß lang und 14 Fuß breit. Für Halbhufner und Hausbesitzer um wenige Fuß kleiner. Noch heute sind einige Pertinenzgräber vorhanden. Für die Bediensteten der Güter Hagen und Dobersdorf gab es eine eigene Sektion mit Reihengräbern. Die Mitte des Friedhofes war für die Pastoren, Organisten und Lehrer vorbehalten (heute sind noch die Gräber des Lehrers Gäde aus Muxall vorhanden).

Bei so großzügiger Vergabe der Plätze war es nicht verwunderlich, dass bereits 50 Jahre später der Friedhof belegt war, und die Kirchengemeinde einen neuen Friedhof anlegen musste.
Diese Planungen liefen seit 1895. Es wurde 1 ha von dem Pastorenland des Flurstückes „Langkoppel„ abgetrennt, während der Streifen an der Bahnhofstraße für eine spätere Bebauung freigelassen wurde. Auf eine Einteilung nach Ortschaften wurde verzichtet, Pertinenzgräber durften nicht angelegt werden. Nur für die Pastoren, Organisten und Lehrer wurden die Grabstellen rechts am Eingang bereitgestellt. Die Grabstelle von Pastor Wilhelm und die Familiengrabstelle des Organisten und Lehrers Kähler sind noch vorhanden. Auch für diesen Friedhof gab es eine Friedhofsordnung, die im Namen des Kirchenvorstandes am 24.07.1895 von Pastor Jacobsen unterschrieben wurde.

Horst Perry

Friedhofsgebührenordnung