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Bundestagskandidaten diskutieren über Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit

In der Debatte: Lorenz Gösta Beutin (Linke), Martin Wolf (FDP), Birgit Malecha-Nissen (SPD), Susanne Elbert (Grüne) und Moderator Friedemann Magaard
12.07.2017 ǀ Neumünster 

Gut zehn Wochen vor der Bundestagswahl haben am Dienstagabend die Direktkandidaten aus dem Wahlkreis 6 (Plön-Neumünster) im Museum Tuch+Technik über die Themen Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit diskutiert. Eingeladen dazu hatte die Nordkirche gemeinsam mit den Kirchenkreisen Plön-Segeberg und Altholstein.



An der Veranstaltung nahmen die Bundestagsabgeordnete Birgit Malecha-Nissen (SPD), Susanne Elbert (Grüne), Martin Wolf (FDP) und Lorenz Gösta Beutin (Linke). Die Direktkandidatin der CDU hatte ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt, die ebenfalls angefragte AfD hat noch keinen Direktkandidaten bestimmt.

„Wir möchten, dass Bürgerinnen und Bürger auf Augenhöhe mit Politikern ins Gespräch kommen“, erklärte Moderator Friedemann Magaard vom Christian-Jensen-Kolleg zu Beginn. Etwa 65 Teilnehmer verfolgten dann die Diskussion – und brachten sich selbst in der Publikumsrunde mit vielen Fragen ein.

Konkret ging es in der Debatte unter anderem um Rüstungsexporte, die Grenzen des Wachstums und um die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Dieses Thema war ein Schwerpunkt der Debatte: Wolf (FDP) sagte, er betrachte bei Entscheidungen über Auslandseinsätze die Aspekte Verantwortung, Mandat, Umfang und Ziel. Für ihn kämen sie nur als „ultima ratio“ infrage. Elbert (Grüne) erklärt, sie sage „erstmal kategorisch Nein“ zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Für sie seien diese nur in absoluten Ausnahmefällen als UN-Mission denkbar. Beutin (Linke) lehnte Auslandseinsätze ab und forderte, die Bundeswehr aus den laufenden Missionen abzuziehen sowie Kriegsursachen zu bekämpfen. Krieg gegen Terror bringe weitere zivile Opfer. Malecha-Nissen (SPD) berichtete, dass sie solche Entscheidungen kritisch prüfe und auch schon zwei Mal im Bundestag gegen Auslandseinsätze gestimmt habe – auch gegen die offizielle Linie der großen Koalition. Den anderen Anträgen zu Militäreinsätzen habe sie zugestimmt.

Propst Erich Faehling (Kirchenkreis Plön-Segeberg) zog in seinem Schlusswort ein Fazit der Veranstaltung: „Ich habe mich gefreut, dass die Politiker konkret und auf Augenhöhe diskutiert haben, hätte mir aber quer durch die politischen Linien mehr Mut zu Utopien von Veränderungen gewünscht“, sagte er. Faehling appellierte an die Zuhörer: „Friedenswille können wir nicht delegieren, wir müssen es selbst in die Hand nehmen“, sagte er.

 

Sein Kollege, Propst Stefan Block (Kirchenkreis Altholstein) erklärte warum die evangelische Kirche so eine Veranstaltung organisiert: „Gerade in Zeiten, wo der Diskurs immer schwieriger zu werden scheint, ist es wichtig, dass Kirche auch eine aufklärerische Rolle einnimmt und Raum schafft für eine nüchterne Betrachtung dessen, was ist.“ Der Vorbereitungsgruppe sei eine sehr grundsätzliche Diskussion wichtig gewesen: „Wir haben uns sehr bewusst nicht in parteipolitische Streitigkeiten hineinbegeben, sondern nach der ethischen Motivlage gefragt.“

Die Veranstaltung in Neumünster gehört zur Reihe „Demokratie-Kolleg 2017“ und findet vor den Bundestagswahlen im September in allen schleswig-holsteinischen Wahlkreisen statt. Es ist ein Projekt des Christian Jensen Kollegs, der Stabstelle Presse und Kommunikation der Nordkirche, der Evangelischen Akademie, des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein und der Kirchenkreise in Schleswig-Holstein.


Daniel Neitzke