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Christuskirche Dersau

Christuskirche Dersau

Die Dersauer Christuskirche wurde in den Jahren 1968 - 1971 im Rahmen eines Kapellenbauprogramms der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche nach den Plänen eines bekannten Hamburger Architekten und Kirchenbaumeisters gebaut.

Vorausgegangen waren langwierige Planungs- und Finanzierungsverhandlungen zwischen dem Landeskirchenamt, dem Propsteivorstand Plön und dem Vorstand der Kirchengemein-de Ascheberg, wobei die Kirchengemeinde eine Kostenbeteiligung wegen ihrer eigenen schlechten Finanzsituation und unkalkulierbarer Neben- und Folgekosten ausschloss. An-fängliche Bedenken und Vorbehalte gab es im Kirchenvorstand zudem zu der Frage, ob  in Dersau eine Kapelle überhaupt notwendig sei. Diese Frage wurde auch in der Dersauer Gemeindevertretung diskutiert.

Informationsveranstaltungen und Bürgerbefragungen zum Thema und die Mitteilung, dass die Baukosten in Höhe von insgesamt ca. 140.000,- DM anteilig von der Landeskirche (120.000,- DM) und von der Propstei  (20.000,- DM) getragen würden, führten in den Ent-scheidungsgremien zu einer positiveren Betrachtungsweise und schließlich zu dem gemein-samen Beschluss, sich für einen Kirchenbau auszusprechen. Die Kirche sollte nicht nur für Gottesdienste, sondern sowohl für andere kirchliche als auch außerkirchliche Zwecke, u. a. als Begegnungsstätte für Kinder- und Jugendgruppen genutzt werden können. In einer aufstrebenden Gemeinde mit wachsendem Fremdenverkehr würde eine Kirche zugleich Kulturträger sein. In Abstimmungen sprachen sich der Kirchenvorstand einstimmig und die Gemeindevertretung mit 8:1 Stimmen für den Bau einer Kirche aus. Auf dem erworbenen, 1200 qm großen Grundstück  entstand schließlich die Christuskirche mit 70 Sitzplätzen im Hauptraum. 

Der Grundstein wurde am 26. August 1969 unter dem Wort gelegt (1. Kor 3,11): Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ 

Am Ostermontag, dem 12. April 1971, fand mit großem Interesse und unter reger Beteili-gung der kirchlichen Gruppen und zahlreicher Gäste aus Dersau und den benachbarten Orten der Einweihungsgottesdienst statt. In seiner Predigt hob der amtierende Propst Dr. Steffen hervor, eine Gemeinde ohne geistliche Mitte sei keine lebendige Gemeinde. In ei-nem aufstrebenden Fremdenverkehrsort wie Dersau sei das neue Gotteshaus nicht nur für die Dersauer gedacht, sondern auch für Urlaubsgäste und Ausflügler. Der Gemeinde-pastor Rumohr ergänzte, nach jahrelangem Warten sei der Wunsch der Gemeinde nun endlich realisiert worden. „Jetzt“, so Pastor Rumohr an die Gemeinde, „betrachtet dieses Haus als Euer Haus! Hier tagt keine geschlossene Dersauer  Gesellschaft!“

Anzumerken ist an dieser Stelle, dass die veranschlagten Baukosten sehr eng bemessen waren und nur einen bescheidenen Bau zuließen, der anfänglich wegen der etwas unge-wöhnlichen Bauweise des Kirchturmes, welcher – zumal ohne Turmkreuz – in den Augen vieler eher einem U-Boot-Turm, denn einem Kirchturm glich und nur verhaltene Akzeptanz fand. Auch die weniger gelungene Ausgestaltung des Innenraumes wurde von Beginn an kritisch und distanziert angenommen.

Die Kirchenglocke war ein Geschenk der Versöhnungsgemeinde Hamburg-Eilbek. In seinem Gutachten vom März 1970 stellte ein bekannter Hamburger Glockensachverständiger fest, die Gussstahlglocke aus dem Jahre 1906 weise keine beißenden Dissonanzen auf, obwohl die Teiltöne nicht im genauen Stimmungsverhältnis zueinander lägen. Einem Vergleich mit modernen Bronzeglocken halte sie zwar nicht stand, lasse sich aber noch verwenden, wenngleich auf Dauer gesehen an eine neue Glocke mit einem edleren und klangvolleren Metall gedacht werden müsse.

 Als sichtbare Folgen der kostensparenden Bauweise wurden bereits im September 1973 erste Durchfeuchtungsschäden am Kirchendach und am Verblendmauerwerk der Außen-wände festgestellt. Auch die Fenster waren regendurchlässig geworden und im Außenbe-reich waren an mehreren Stellen die Gehwegplatten aufgebrochen. So wurden bereits früh notwenige und realisierbare Umbau- oder Sanierungsmaßnahmen erörtert, wozu auch gutachterliche Stellungnahmen des Architekten und des Baudezernenten des Nordelbischen Kirchenamts eingeholt wurden. Alle planerischen Überlegungen mündeten schließlich im Juni 1988 in die Frage ein, ob die Kirche saniert und architektonisch umgestaltet werden sollte oder ob alternativ Fahrgelegenheiten für die ohnehin wenigen Dersauer Kirchgänger nach Ascheberg geschaffen werden sollten. Auch die Frage kam auf, ob das Kirchenge-bäude dann sogar einem anderen Verwendungszweck zugeführt werden könnte. Zur Ent-scheidungsfindung wurde im Januar 1989 eine Bürgerversammlung einberufen. Unter den ca. 50 Teilnehmern waren der Dersauer Bürgermeister, Dersauer Gemeindevertreter und Mitglieder des Kirchenvorstands. Man einigte sich mehrheitlich darauf, dass die Kirche im Dorf fortbestehen solle. Wenn allerdings größere Investitionen nötig seien, sollte zugleich die Gelegenheit genutzt werden, die Kirche schöner und ansehnlicher zu gestalten. Folgen-de Veränderungen wurden als notwendig und wünschenswert genannt:

- die Anbringung eines gut sichtbaren Turmkreuzes,

- eine deutlichere Betonung des Innenraumes als Kirchenraum,

- die Umgestaltung des Altarbereiches, etwa durch eine chorartige Nische /Apsis,

- die künstlerische Ausgestaltung der großen Fensterelemente mit Bleiverglasung,

- der Anbau eines Nebengebäudes als Gemeindesaal. 

Die aufwändigen Umbau-, Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen wurden nach einer wiederum langen Planungs- und Bauphase mit einem Wiedereinweihungsgottesdienst am 03.10.1998 abgeschlossen. Erfreulicherweise und zur allgemeinen Zufriedenheit konnten die genannten Veränderungswünsche weitestgehend realisiert werden. Die sehr gelungene Apsis betont den Altarbereich optisch auf besonders wirksame Weise und lässt den Innen-raum heller und freundlicher erscheinen. Trotz des nach wie vor wenig geliebten Turmes kam wieder mehr Leben in die Kirche, die nun auch ihrer ursprünglichen Bestimmung als Gotteshaus und Begegnungsstätte mehr gerecht wurde. Seit dem 01. Mai 2005 finden je-weils am ersten Sonntag im Monat in Dersau und an den übrigen Sonntagen in Ascheberg regelmäßige Gottesdienste für die gesamte Kirchengemeinde statt. Diese Regelung  wird von der Gemeinde gut angenommen. Sie wurde vom Kirchenvorstand beschlossen, um trotz der zwei Gotteshäuser die Gemeinschaftsidee als Gesamtgemeinde zu betonen und lebendig zu halten. 

Auch außerkirchliche Veranstaltungen werden seit der gelungenen Umgestaltung während des ganzen Jahres  gut besucht. Der großzügig gestaltete Anbau mit integrierter Küche dient nicht nur der Konfirmanden- und allgemeinen kirchlichen Jugendarbeit. Er ist   belieb-ter Treffpunkt der Kirchenbesucher zum Kirchenkaffee nach den Gottesdiensten oder für Besucher von Konzerten und Veranstaltungen der verschiedenen Dersauer Gruppen und Initiativen.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die gute Raumakustik der Christuskir-che während eines Rundfunkkonzerts der „Dersauer Dorfsänger“ am 05. November 1998 von einem Produktionsingenieur des NDR ausdrücklich bestätigt wurde.

Trotz dieser insgesamt erfreulichen Entwicklung wird jedoch immer wieder mal kritisiert oder bedauert, dass es bisher nicht gelungen sei, die Christuskirche nach nunmehr über 40 Jahren mit einem schönen Turmkreuz zu schmücken und sie damit auch für Ortsfremde besser sichtbar und auffindbar zu machen.

Für Interessierte sei am Ende auf eine Chronologie “Christuskirche Dersau – eine Be-schreibung und Dokumentation ihrer Entstehung“ hingewiesen, die ein ehemaliger Kirchen-vorsteher aus Dersau aus kirchengemeindlichen Protokollen, Berichten und Pressemeldun-gen aus den Jahren 1967 - 2003 zusammengestellt hat und die bei der Kirchenverwaltung in Ascheberg archiviert wurde.