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Konfirmandenunterricht

"Das ist eine Entdeckungsreise"

22.05.2017 ǀ Preetz 

Die Hoch-Zeit der Konfirmationen ist vorbei – in vielen Gemeinden im Kirchenkreis Plön-Segeberg läuft im Frühjahr und Sommer die Anmeldezeit für die nächste Konfirmanden-Generation. Die Arbeit mit den Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Konfirmanden und ihre Fragen – an das Leben, den Glauben und die Kirche, berichtet Propst Erich Faehling.



Sie beginnen alles über Bord zu werfen und in Frage zu stellen: Autoritäten, gültige Regeln und viel Althergebrachtes. Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren sind mitten in der Pubertät oder ganz deutlich auf dem Weg dorthin. Ihr Ziel ist Freiheit und Erwachsenwerden. Genau in dieser Zeit setzt in der evangelischen Kirche der Konfirmanden-Unterricht an. Ein schwieriger Zeitpunkt? „Nein“, sagt Erich Faehling, Propst im Kirchenkreis Plön-Segeberg. Denn die Jugendlichen seien in dieser Zeit sehr offen.

„Konfirmanden gehen auf Entdeckungsreise, auf große Fahrt mit der Seele“, sagt Faehling. Der Konfirmanden-Unterricht sei eine „echte Chance“ auf spannende Gruppenerlebnisse, neue Themen und Bildung zur inneren Freiheit, so Faehling. „Das ist eine Erfahrung rund um Gott, von der viele Konfirmierte ihr Leben lang etwas haben.“

Natürlich würden die Jugendlichen alles auf Herz und Nieren prüfen - die Kirche eingeschlossen, so Faehling. „Doch genau das ist die Chance, uns als moderne Kirche zu zeigen.“ Im Konfirmanden-Unterricht in den Gemeinden im Kirchenkreis würden die Lebensthemen der Konfirmanden mit den Themen der Kirchen verknüpft. „Wir nehmen die Fragen der Jugendlichen an das Leben, den Glauben und die Kirche auf“, sagt Faehling. Es gehe weiter um die Einführung in die Grundlagen des Glaubens, so Faehling. „Es ist wichtig, dabei den Konfirmanden zu vermitteln, dass sie in der Kirche ein Gegenüber haben, das ermutigt Fragen zu stellen und hilft Antworten zu finden“. Das geschehe im Konfirmanden-Unterricht.

„Die Jugendlichen können heute den Unterricht, die Inhalte und Gottesdienste mitgestalten“, sagt Faehling. „Das war zu meiner Konfirmandenzeit noch ganz anders.“ So gehören heute auch oft erlebnispädagogische Angebote zu den Konzepten, die in den Gemeinden individuell entwickelt werden. Freizeiten, etwa auf Fehmarn (Kirchengemeinde Bargfeld) , gehören fast überall dazu genauso wie Ausflüge, z.B. nach Schleswig  (z.B. Selent, Lütjenburg, Warder, Kirchnüchel), und Projekttage. Hier und da gibt es auch Nachtaktionen – Konfirmanden schlafen in Gemeindehäusern oder Kirchen und erleben so die Gebäude und auch ihren Glauben auf eine ganz andere Weise (z.B. Todesfelde, Preetz, Blekendorf, Raisdorf, Nahe, Neuengörs, Zarpen). Musik, Kunst und Theater gehören  auch oft zum Konzept – manchmal auch Rollenspiele. Oft gestalten die Konfirmanden Gottesdienste zur eigenen Vorstellung, manchmal auch zum Weltgebetstag (Lebrade, Schlamersdorf) oder auch gleich zu Heiligabend (Segeberg) mit.

Wie oft und wie lang die Konfirmanden zum Unterricht gehen, ist von Gemeinde zu Gemeinde und manchmal auch von Gruppe zu Gruppe verschieden. Es gibt den traditionellen wöchentlichen Unterricht über zwei Jahre, aber auch einjährigen Unterricht, der einmal im Monat am Samstag stattfindet (z.B. Bornhöved, Segeberg) und Modelle irgendwo dazwischen. Oft gestalten auch Diakone, Jugendmitarbeiter oder ganze Teams den Konfirmanden-Unterricht.

Für geistig und mehrfach behinderte Jugendliche aus der Propstei Plön bietet die Heilpädagogische Ambulanz des Diakonischen Werks des Kirchenkreises in Preetz Konfirmandenunterricht. Zu ihm gehören neben den regelmäßigen Treffen Begegnungen mit Konfirmanden ohne Behinderungen, die Gestaltung von besonderen Gottesdiensten und eine Konfirmandenblockwoche innerhalb der Schulzeit zur Vorbereitung der Konfirmation.

Und was motiviert die Jugendlichen, den Konfirmandenunterricht mitzumachen? „Natürlich sind die erwarteten Geldgeschenke am Ende auch ein Highlight“, sagt Faehling „Aber wenn man die Jugendlichen selbst fragt, kommt immer heraus, dass es den meisten noch vor dem Geld vor allem um das Gemeinschaftserlebnis geht“, sagt er.

Hintegrund

Konfirmation: Wenn die Jugendlichen 14 Jahre alt sind, dürfen sie selbst über ihren Glauben und ihre Kirchenzugehörigkeit bestimmen. Die Konfirmation ist die selbständig getroffene Bestätigung der Taufe und damit der Zugehörigkeit zum christlichen Glauben und zur evangelischen Kirche. In den letzten Jahren sind im Schnitt etwa 1750 Jugendliche im Kirchenkreis konfirmiert worden. Sie dürfen nach ihrer Konfirmation ein Patenamt übernehmen und auch bei Wahlen in der Kirche mitbestimmen.

Anmeldung zum Konfirmandenunterricht: Wer am Konfirmanden-Unterricht teilnehmen möchte, meldet sich über das Kirchenbüro seiner Gemeinde bzw. beim Pastor oder der Pastorin direkt an. Der Zeitpunkt dafür ist je nach Gemeinde unterschiedlich (siehe Liste). Der Unterricht richtet sich an Jugendliche, die im Jahr der Konfirmation 14 Jahre alt sind. Neben den Ausgaben für Lernmaterial – etwa für eine Bibel und ein Unterrichtsheft - sowie Beiträge für Freizeiten fallen keine weiteren Kosten an. Wer sich das nicht leisten kann, kann sich an seine Kirchengemeinde wenden und dort Unterstützung bekommen. Eine Teilnahme am Konfirmanden-Unterricht wird nicht am Geld scheitern.

Die Anmeldetermine in der Übersicht: kk-ps.de/konfirmandenunterricht


Daniel Neitzke